Einlass 19:30 Uhr Beginn 20:30 Uhr CCS Atrium | Suhl | Friedrich-König-Straße 7
Das Wunder von Suhl oder das Märchen von den 12 Wölfinnen und dem tapferen Zauberer: Es war einmal im Jahre 1991, da wurde im kleinen Thüringer-Wald-Ort Suhl ein Ballsportverein gegründet, der VfB 91 Suhl, wahrscheinlich, weil einige Suhler ganz gern und gut Volleyball spielten. Was soll man auch sonst im Wald machen, wenn man nicht wandern und Rennsteiglieder singen mag. Im Laufe der Nachwendejahre entwickelte sich die Nachwuchsausbildung + Scouting so gut, dass der kleine Verein mit den Frauen 2003 in die Volleyball-Bundesliga aufstieg und seitdem da drin blieb: schon mal ein paar Wunder nacheinander. Man kämpfte sich so durchs Mittelfeld, erlebte Tiefen und Höhen: die höchste 2008 mit dem einmaligen Pokalgewinn, davon musste man lange zehren. Der Tiefpunkt war 2016/17, als der Verein pleite war und mangels finanzieller und sonstiger Unterstützung durch die Stadt Suhl fast die Bundesliga-Brocken hingeschmissen hätte, aber dann doch noch auf wundersame Weise die Lizenz zum Weitermachen erhielt. Wieder dümpelte man so rum und stritt sich manchmal mit den schwarz-weißen (was eigentlich SW = Stadtwerke heißt) Erfurtern um den letzten Platz. Bis sie es im Seuchenjahr 2020 tatsächlich nicht verhindern konnten, bei Abbruch der Saison 11. und damit Letzter zu werden (auch sagenhaft, aber aus der Horror-Kategorie). Aber von den 11 Freunden brauchte keiner absteigen (schon gar nicht, wenns noch nicht mal richtig zu Ende gespielt wurde), weil es perspektivisch in der Bundesliga eher 12 werden sollten: die haben halt auch ihre Vorstellungen von märchenhaften Einnahmen. Aber Rettung nahte (trotz pandemischer Corona-Seuche): Alexander Mantlik und Jens Roß stellten den VfB Suhl ab 2020/21 auf eine professionellere Basis und verpflichteten den Trainer ihrer 1. Wahl: László „Varázsló“ Hollósy, den „Zauberer“ würde ich ihn mal euphorisch nennen, weil er gute Volleyballerinnen in bessere Volleyballerinnen verwandeln kann. Aber wirklich zaubern kann er nicht, sondern nur knallhart arbeiten bzw. arbeiten lassen, seine Spielerinnen nämlich. Eigentlich ist er eher wie Rumpelstilzchen, das den jungen Mädchen hilft, Stroh zu Gold zu spielen. Und rumpeln kann er gut, das weiß jeder, der ihn schon mal an der Seitenlinie gesehen hat. Jedenfalls wurde das um die „Legende“ Claudia Steger neu formierte Team 2020/21 auf Anhieb 6. der Bundesliga-Hauptrunde, 2021/22: 5., 2024/25: 3. – das war schon mal ein märchenhafter Aufstieg. Aber die drei Bundesliga-Platzhirsche aus Schwerin, Dresden und Stuttgart konnten die Wölfe aus dem tiefen Wald nicht wirklich erschrecken, höchstens mal ein bisschen zwicken und piesacken.
Bis 2025: Das Team wurde wieder mal neu gemischt: 6 Spielerinnen blieben, 6 wechselten in andere Teams (darunter Leistungsträgerinnen wie Anna Artyshuk nach Schwerin, Jette Kuipers nach Dresden, Julia de Paula Viana zurück nach Stuttgart, Minami Yoshioka nach Potsdam), 6 kamen dazu. Das halbneue Team um die Block- und Einbeiner-Königin Roosa Laakkonen (Mittelblock, Teamkapitänin, seit 2022 in Suhl) legte los wie die Feuerwehr: sie verloren nur ein einziges Heimspiel knapp 2:3 gegen Dresden und drei Auswärtsspiele gegen die drei Königreiche mit den (vergleichsweise) großen Schatztruhen in Stuttgart, Dresden und Schwerin. Ein Heimspielfantraum wie noch niemals zuvor, daran könnte man sich gewöhnen. Dabei wurde schnell klar, dass das schüchterne Aschenputtel Monika eigentlich die Schmetterqueen mit der goldenen rechten Klebe war: Übersicht, Entschlossenheit, Timing und ein Handgelenk, das den Ball ansatzlos in unvorhersehbare Richtungen lenken kann. Fast in jedem Spiel war sie die Topscorerin mit 20 + x Punkten und das, obwohl die Gegner bestimmt alles versuchten, sie irgendwie in den Griff zu bekommen. Aber dann waren da eben auch noch die beiden butterflies Kenzie und Sanaá (das sind amerikanische Schmetterlinge), die für Abwechslung im Außenangriff sorgten. Und Laura, die sich schon ein paar Scheiben von Roosa abgeschnitten hat (nur bildlich, hoffe ich), hat sich als feste Größe in Punkto Blockwand und Schnellangriff etabliert. Für die märchenhafte Dramaturgie sorgte unsere sagenhafte Regisseurin und Antreiberin Lara mit (meist) traumwandlerischen Pässen, manchmal aus unmöglichen Positionen, wenn die Annahmen mal herausfordernd waren, aber die waren deutlich stabiler als in den Jahren davor. Nicht zu vergessen die unten rumwuselnde Bodenpatrouille Xiang-Chen (die das scheinbar irgendwie im Blut hat) und Emma, die das irgendwie verinnerlicht hat, dass kein gegnerischer Ball den eigenen Spielfeldboden berühren darf und das schafft sie auch meistens. Die anderen Wölfinnen Svea (oft als Aufschlag-Joker), Alina, Hannah und Irene mussten sich mangels Einsatzzeit oft mit der Prinzessinnenrolle begnügen (anders als die Prinzenrolle ist das bestimmt nicht besonders süß). Alles hat sich in dieser Saison zunehmend so zusammengefügt und -geläppert, dass sich selbst die größten Bundesliga-Hirsche, die 13-, 14- und 16-Ender aus Schwerin, Dresden und Stuttgart in Acht nehmen mussten. Mit Können, Kampfgeist, Zusammenhalt, Taktik, Trotz, Selbstbewusstsein, Coolness, frenetischer Fanunterstützung und manchmal auch ein bisschen Glück hatte das Wolfsrudel in den entscheidenden Spielen das bessere Ende für sich und so endeten alle Suhler Märchen diesmal gut. Was heißt gut – fantastisch, unglaublich, sensationell, wahnsinnig, saustark, grandios, überirdisch, himmlisch, megamäßig, einfach unbeschreiblich… mit dem Double aus DVV-Pokalgewinn und Deutscher Meisterschaft. Und wenn’s so gut läuft, hat man im Thüringer Märchenwald plötzlich auch ganz viele gute Freunde, die gern die erfolgreiche Wiederansiedlung der Wölfe in Suhl feiern.
Und wenn sie nicht… Nein, davon kann keine Rede sein: ich glaub, 7 Spielerinnen und die Trainer nehmen die Herausforderungen beim VfB Suhl (Neuaufstellung, Titelverteidigung als Gejagde, Championsleague) bis mindestens 2027 an und 5 zieht es zu neuen Vereinen. Wir freuen uns, wenn es euch in der Zwischenzeit gut geht, wenn ihr in neuen Teams gut zurechtkommt oder wenn wir euch im Herbst 2026 zur nächsten Bundesligasaison wiedersehen. Ach ja, und dann soll es ja noch den Supercup zwischen Pokalsieger und Deutschem Meister geben (aber das ist doch beides der VfB Suhl!) Bei Double-Gewinnern tritt der Vizemeister als Gegner an, dann muss eben der Dresdner SC noch mal ran, schon mal ’ne Standortbestimmung im Oktober, noch vor Saisonbeginn – lauter ungewohnte Termine…
Ach so, eigentlich wollte ich ja was zur Saisonabschlussparty sagen: Das CCS-Atrium in Suhl war richtig gut voll, aber ich glaub, 1000 (wie Moderator und Wolfsgruben-Hallensprecher Sebastian Lenk meinte) waren es nicht. Nachdem sich die Wölfinnen und Betreuer einen Weg durch die Publikumsgasse mit Dauerabklatschen gebahnt hatten, wurde für die Sensations-DVV-Pokalsieger und den neuen Deutschen Meister die Thüringer Nationalhymne – das Rennsteiglied – angestimmt. Da ich vorne an der Bühne ziemlich nah dran war, ist mir aufgefallen, dass Wölfis Volleyball-Frauen neben sportlich erfolgreich bei näherer Betrachtung auch noch ganz schön schön sind. Das kriegt man auf der Empore in der Wolfsgrube gar nicht so mit. Deshalb hab ich irgendwie zwanghaft auch ein paar mehr Bilder machen müssen, als ich eigentlich wollte. Die nächsten fast 2 Stunden wurden mit Klatschen, Reden, Klatschen, Anekdoten, Klatschen, Gratulationen, Klatschen, Bilder- und Rosenüberreichung (so ähnlich wie Zeugnisübergabe) usw. ausgefüllt. Das konnte schon mal ein bisschen langatmig werden, noch dazu, wenn man bedenkt, dass nicht jede des international aufgestellten Teams aus Bayern, Belgien, Berlin (aber Alina Nasin konnte ja verletzungsbedingt nicht dabei sein), Finnland, Mecklenburg, NRW, Sachsen, Slowakei, Spanien, Taiwan, Tschechien, Ungarn und den USA alles im Detail verstehen konnte oder im Laufe der Zeit auch nur wollte. Die Liveschalte zur gleichzeitigen Goldenen Nacht des Thüringer Sports 2026 in der Erfurter Zentralheize war an sich eine gute Idee, hat aber mit dem Fokus auf Derbyniveau Suhl gegen Erfurt für mich ganz schön gehakelt (Sportler des Jahres 2025 wurden übrigens: die Karateka Mia Bitsch aus Waltershausen, Rennrodler Max Langenhahn aus Friedrichroda und das Rollstuhl-Basketball-Team Thuringia Bulls aus Elxleben). Aber so lang ging das ja auch nicht, weil die Moderatorin Stephanie Müller-Spirra irgendwann meinte, dass wir jetzt bestimmt unser Programm weiter machen möchten. Mal sehen, wer nächstes Jahr Thüringer Sportteam des Jahres 2026 wird? Interessant fand ich in Suhl die Vorstellung der Spielerinnen und Betreuer und ihrer Pläne für die nächste Saison, Alexander Mantliks Engagement für den VfB Suhl auch, die ausführlichen Ausführungen des früheren langjährigen Vereins-Präsidenten Wolfgang Wehner eher weniger und die Alex-Mantos-Sponsoring-Rede… Insgesamt hatten sich bis dahin knapp 2 Stunden Bühnenpräsenz zusammengeläppert. Danach gab es noch einen kleinen Meet-The-Queens-Marathon mit Autogrammwünschen und Selfies (die waren auf der inzwischen dunklen Bühne bestimmt ganz schön schwierig). Und dann konnten sich die inzwischen allzu lang gestandenen Wölfinen endlich unters Volk mischen, ihre Freunde treffen und das eine oder andere Getränk schnabulieren. Weil die Gelegenheit für mich einmalig war, ihnen so nah zu kommen, hab ich mir noch vorgenommen, von jeder Spielerin ein ungezwungenes spontanes Porträt zu machen. Alle haben sehr nett zugesagt. Ich hab jeweils ein einziges Bild gemacht, das bei schlechtem Licht nicht wirklich perfekt wurde. Aber darauf kam’s mir auch nicht an, es sollte aus der Situation heraus möglichst authentisch sein. Und László hab ich später auch noch erwischt. Zum Schluss (für mich, die Wölfe haben länger durchgehalten) gab’s noch ein Schulklasse-2025-26-Abschlussfoto: Wolfsrudelbildung mit den Hardcore-Fans alwaySUHLtras.
Mehr Informationen:
www.youtube.com/… VfB Suhl 91 LOTTO Thüringen – Die Party zum Meistertitel