Straße HI-400: Blick zur Punta de la Palometa und Faro de Orchilla . El Hierro . Kanarische Inseln 2018 (Foto: Andreas Kuhrt)

Wandertour El Hierro: Punta de la Dehesa . El Sabinar 2018

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Ein Gesundbrunnen, Lava & Meer in El Hierros Westen

Sabinosa

Bei unserer ersten Erkundungstour wollten wir den abgelegenen Westen der Insel El Hierro kennenlernen. Von unserem Ausgangsort El Lunchón führt eine Straße über 11 km immer am Golfo-Hang auf etwa 300 m Höhe über Tigaday (La Frontera), Los Llanillos und El Chijo nach Sabinosa (benannt nach den Wacholderbäumen Sabina, die früher in der Umgebung wuchsen), dem einzigen Ort im Westen der Insel. Sabinosa ist ein kleines verschlafenes ursprüngliches Dorf mit rund 300 Einwohnern, das für den besten Wein der Insel Vino de Pata von den umliegenden Lavaterrrassen bekannt ist. Es gibt eine Kirche (Iglesia de Nuestra Señora de la Consolación y San Simón: Unserer Lieben Frau des Trostes und St. Simon), daneben einen Sportplatz, ein Lebensmittelgeschäft, eine Weinkellerei (Bodega Revolver) und ein Ferienhaus (Vivienda). Ein traditioneller Camino Real (Königsweg, PR-EH 9) führt von Sabinosa zum Mirador de Sabinosa an der Golfotal-Kante (ca. 870 m) und weiter über die La-Dehesa-Hochfläche zum Inselheiligtum Ermita Virgen de los Reyes (Jungfrau der Könige, Schutzpatronin von El Hierro). Auf unserer Tour zum Inselwesten sind wir allerdings nur durch Sabinosa durchgefahren, weil es außer dem Maria-Wandbild keinen richtigen „Anhaltspunkt“ zum Aussteigen gab. Ehrlich gesagt, schien Sabinosa ziemlich ausgestorben.

Pozo de la Salud

Hinter Sabinosa führt die Straße auf einem Vulkanrücken in einigen Kehren 200 m steil bergab zur Küste. In etwa 3,5 Straßenkilometern Entfernung liegt Sabinosas Kurbad Pozo de la Salud (Brunnen der Gesundheit) direkt an der Küste zum Atlantik. 1702-04 wurde hier auf der Suche nach dem im Golfotal knappen Trinkwasser in 11 m Tiefe eine schwefel-mineralhaltige Thermalquelle erschlossen, die Pozo de Sabinosa. Das etwa 26°C warme Wasser schmeckte zwar nicht, aber das Vieh, das damit getränkt wurde, schien irgendwie besonders gesund zu sein.

Der "Gesundbrunnen" im damals total abgelegenen Westen El Hierros wurde zum beschwerlichen Ziel Heilung suchender Reisender, darunter einige adlige "Trendsetter" der kanarischen Inseln. 1779 wurden die gesundheitsfördernden Eigenschaften im Tagebuch eines Herrn Urtusáustegui erwähnt. 1830 beschrieb der Priester und Arzt Leandro Casañas y Frias die Heilkraft des Wassers. 1843 benutzte Agustín del Castillo Ruiz de Vergara Bethencourt y Amoreto Conde de la Vega Grande de Guadeloupe (soviel Zeit für Stammbaum und ein paar Titel muss für einen Grafen aus Gran Canaria sein) die Heilquelle erfolgreich gegen sein Rheuma. Zur Förderung des Gesundbrunnens gab er Wasseranalysen in Auftrag. 1844 wurde der Brunnen zur Heilquelle erklärt, die auf den Kanarerischen Inseln und bis Europa bekannt wurde. In der Nähe des Brunnens wurden kleine Logierhäuser für Trink- und Badekuren errichtet, die sich aber auf Dauer nicht lohnten und wieder verfielen. Das Heilwasser wurde aber noch abgefüllt, auf den Kanaren verkauft und sogar exportiert.
Einen zweiten Aufschwung hatte die Heilquelle ab 1923, als der Militäringenieur José Ángel Rodrigo Vallabriga y Brito die Nutzungsrechte erwarb, nach einigen Anlaufschwierigkeiten ließ er wieder Heilwasser abfüllen und in den 1930/40er Jahren ein einfaches Kurbadgebäude errichten (so'ne Art spartanisches Kurkloster). Nach seinem Tod 1965 verfiel der Bau.
1949 wurde die Heilquelle zum Gemeingut erklärt. Von 1949 bis Ende der 1960er Jahre betreute die auf El Hierro legendäre Herreño-Folkloremusikerin und Sängerin Doña Valentina Hernández aus Sabinosa und ihr Mann Esdras das Heilbad (außerdem war sie noch Hebamme). In den 1970/80er Jahren betrieb Doña Rosa Pérez (aus Gran Canaria) das Badehaus "Casa Rosa" als einzige Unterkunft in Pozo de la Salud mit traditionellen Bade- und Trinkkuren. Aus einem Werbeprospekt (in Deutsch) der Rosskur in der "Casa Rosa":
"Dieses wasser wird von verschiedenen arzten empfholen und besonders von Dr. Pease Direktor der Apt. von Bakteriologie von New York, für schlechte verdauung, alle Kranheiten des magens, vergiftung des blutes, für den zwolffingerdarm, blase gallenseeine und arthritis. Und sogar geschlechtskrankheiten. regeln nach welchen sich jeder Kranke richten soll wenn man die bäder und Wasser von Sabinosa nehmen will: Nachdem die Kranken aufgestaden sind, müssen ein Glas Wasser jede 5 Minuten trinken und solange im Zimmer spazieren gehen bis das, Wasser wie ein Laxant gewirkt hat. Nachher muss er weiter trinken bis er 6-7 mal den Stuhlgang gemacht hat. Gleich dannach muss er eine Tasse Malve trinken, die im voraus vorbereitet isi. Solange man das Wasser als Laxant trinkt darf man keinen Alkohol irinken. Gleich dannach muss er ins Bad gehen nnd da 15 Minuten bleiben auf einer Temperatur von 40 bis 47°C je nachder Krankgeit des Patienten und wenn die 15 Minuten vor bei sind muss er sich ins Bett legen eine Tasse Brühe trinken sich gut zudecken bis er 40 bis 60 minuten geschwizt hat. Er muss eine bestimmte Zeit im Zimmer bleiben bebor er raus geht, bis her abgekühlt ist, um eine Erkältung zu vermeiden. Wenn er dass alles genau gefolgt hat, kann er aus dem Zimmer gehen, und sein normales Leven weiter führen."

In den 1990er Jahren gab Doña Rosa den Badebetrieb auf. Als sie Anfang der 2000er Jahre starb, kümmerte sich niemand mehr um diese Gebäude, die noch als Ruinen stehen.

1996 wurde im Auftrag der Inselverwaltung ein neues, modernes Kurhotel mit Restaurant und Pool eröffnet. Das 3*-Hotel Balnearo Pozo de la Salud bietet alle möglichen Well-Fitness-Anwendungen und Entspannung, aber nicht das Flair der vorigen Badehäuser, die gleich nebenan vor sich hin bröckeln. Irgendwie deplatziert scheint der Ausbau der Brunnenumgebung mit „ordentlichen“ Aussichtsterrassen. Blöd auch, dass inzwischen die Thermalquelle wegen Keimbelastung gesperrt wurde.
Die etwa 15 m hohe zerklüftete Lavasteilküste an der Punta de los Palos ist der Brandung des Atlantiks ausgesetzt, der hier 6000 km freies Meer bis Florida (auf der gleichen nördlichen Breite) im Rücken hat.

Mehr Informationen über die Geschichte des Pozo de la Salud: www.institutum-canarium.org/…

Punta de la Dehesa: Playa Arenas Blancas – Punta de la Sal – Arco de la Tosca

Westlich hinter Pozo de la Salud endet die Golfosenke an einem Felssturzgebiet, das von der Hochfläche auf 660 m Höhe beim Mirador de Bascos fast bis zur Küste reicht. Dahinter öffnet sich die ca. 1 km breite Lavaküstenebene Punta de la Dehesa an der nordwestlichen Spitze El Hierros. Diese kargen, spärlich bewachsenen, rauen Lavaflächen werden Malpaís genannt: schlechtes Land. Etwa 2,5 km weiter nordwestlich von Pozo de la Salud zweigt von der Küstenstraße Carretera la Montaña eine Piste zur Playa Arenas Blancas (Weißer Sandstrand) ab, ein heller Sand-Kies-Strand im Schutz des vorspringenden Kaps Punta Arenas Blancas. Auf El Hierro kann man keine Stranddünen erwarten und der Bereich ist auch mit Lavafelsen durchsetzt, aber immerhin geht die Küste auf etwa 150 m Breite ausnahmsweise mal relativ seicht ins Meer über.

Gleich daneben, an der Punta Arenas Blancas sieht die Sache schon wieder ganz anders aus: Das Meer prallt mit Wucht auf die wild zerklüftete Felsenküste. Hier beginnt der markierte Wanderweg SL-EH 2, der 2,7 km immer an der Lavasteilküste entlang bis zum Mirador de Gutierrez/Arco de la Tosca führt. Auf der flachen Lavaebene wachsen nur niedrige Büsche, unter denen die Tabaiba (Balsam-Wolfsmilch), ein charakteristisches Wolfsmilchgewächs der trockenen kanarischen Küstenzonen, mit ihren kandelaberartigen Verzweigungen am auffälligsten ist. Bemerkenswert sind weiträumig verteilte größere Lavabomben mit besonderen Höhlungen oder Schaumstrukturen an der Oberfläche.

Geradezu berauschend sind die Tiefblicke von der rund 20 m hohen Steilküste in die zerklüfteten Lavaformationen: Basaltsäulen, Felsbuchten, -höhlen und -tore oder einzeln stehende Felsen, die vom oft stürmisch anbranden Atlantik umtost werden. Besonders an den Felsvorsprüngen und Buchten der Punta de Arena (Sandkap) und Punta de la Sal (Salzkap) hat man tolle Ausblicke. Westlich der Punta de la Sal beginnt ein noch frischeres, raueres Lavafeld wie aufgeschüttet. In diesem Bereich ragen schmale Lavarippen wie Finger ins Meer, die teilweise schon wieder abgetragen wurden. An den Puntas de Gutiérrez (zwei parallele ca. 140 m lange Lavarippen) hat man das Ziel dieser Wanderung an einem befestigten Aussichtspunkt (mit Infotafel) erreicht. Die eigentliche Attraktion hier ist der Arco de la Tosca, der größte natürliche Felsbogen El Hierros, der sich 20 m über dem Meer mit etwa 40 m Spannweite zwischen den beiden Lavarippen spannt. Es sieht aus, als ob es der Rest eines Höhlendachs über einem ziemlich riesigen Lavatunnel ist, das bis auf diese Brücke schon eingestürzt ist. Natürlich kann man zum Mirador auch mit dem Auto fahren, denn es gibt eine Schotterpiste mit Parkplatz, aber das wäre sehr unsportlich und außerdem ziemlich langweilig. Der Rückweg nach Arenas Blancas ist auf demselben Wanderweg, sah aber aus der anderen Richtung und viel später (immerhin haben wir für die knapp 3 km Hinweg gut 3 Fotostunden gebraucht) und bei tief stehendem Abendsonnenlicht ganz anders aus (noch schöner).

Wandertour zum Wacholderwald Sabinar de la Dehesa

Mirador de el Lomo Negro

Unsere nächste Tour machten wir wieder in den westlichen Inselteil. Auf der Küstenstraße HI-500/Carretera la Montaña fuhren wir wieder um das westliche Ende La Dehesa (Weideland) der zentralen Hochfläche El Hierros herum. Am westlichsten Ende der Straße gibts noch einen Abzweig zum Strand Playa del Verodal (wo wir aber nicht waren). Um weiter südwärts zu kommen, erzwingt die Vulkanlandschaft den Weg nach oben: über eindrucksvolle Serpentinen führt die schmale Straße abenteuerlich über den Lomo-Negro-Vulkanhang auf den Rand der Hochfläche (natürlich gibts keine Leitplanken oder so, weder fürs Auge noch fürs Auto, auch auf anderen Straßen El Hierros kann man hervorragend Kurvenfahrten üben).
Oben ist neben der Straße am Rand des Vulkankegels der Mirador de el Lomo Negro 1 auf ca. 250 m Höhe als Aussichtsplattform mit Infotafel ausgebaut. Der Lomo Negro (Schwarzer Rücken) ist der jüngste Vulkan auf dem Festland El Hierros (sein früher angenommener Ausbruch im Jahr 1793 wird wegen fehlender Berichte angezweifelt und eher früher datiert). Vom Aussichtspunkt hat man einen Tiefblick auf die durch den Ausbruch des Lomo Negro abgelagerte etwa 2 km x 500 m breite Lava-Küstenterrasse Hoya del Verodal am nordwestlichsten Ende El Hierros. Rechts überblickt man den Aschekegel, über den die Straße führt. Die rechteckigen Strukturen auf der Küstenebene könnten aufgelassene Bananenplantagen sein. Die relativ junge Küstenzone in diesem Bereich ist ziemlich zerklüftet mit vorspringenden Landzungen, tief eingeschnittenen Buchten und einzeln stehenden Lavafelsen.

Tour: El Sabinar de la Dehesa

An der Straße, gegenüber des Aussichtspunktes Lomo Negro 1 führt ein 2011 angelegter beschilderter Wanderweg bergan zum El Sabinar: den Resten eines ehemaligen Wacholderwaldes im westlichen Hochland El Hierros. Zuerst geht der Weg am vulkanischen Aschehang hoch zum Aussichtspunkt Lomo Negro 2, der etwa 250 m weiter und 30 m höher mit Blick auf El Hierros Nordküste eingerichtet wurde. Neben schwarzer, brauner, roter und oranger Asche kann man hier stark ockerfarbige Schichten sehen, die durch den explosiven Kontakt des Vulkanausbruchs mit Wasser zustande kam (phreatomagmatische Eruption).
Danach führt der Wanderweg weiter nach oben durch eine Trockenlandschaft mit vielen Tabaiba-Büschen (Bittere Wolfsmilch, Euphorbia lamarckii) bis man hinter einem kleinen Vulkankrater an eine kilometerlange Lavastein-Trockenmauer kommt, die den Hang abriegelt (vielleicht als Viehsperre, um die dahinterliegenden Wacholderwaldreste vor Ziegenfraß zu schützen). Das westliche Hochland El Hierros heißt auch La Dehesa, das ist eine gemeinschaftliche Viehweide, auf die die Bauern der umliegenden Gemeinden ihr Vieh schicken können. Die dazu angestellten Viehhirten waren außer dem Leuchtturmwärter vom Faro de Orchilla die einzigen Menschen, die im westlichen Teil El Hierros lebten. Am etwa 500 m langen Weg entlang dieser Mauer sieht man schon einige trockene Sabina-Bäume, die auf El Hierro ein letztes zusammenhängendes Vorkommen der Kanaren bilden.

El Sabinar: der Wacholderwald El Hierros

Der spanisch Sabina genannte Kanarische Wacholder (Juniperus canariensis, Rotfrüchtiger Wacholder, Konifere/Zypressengewächs) ist das Natursymbol El Hierros. Der in Relikten vorkommende Wacholderwald heißt El Sabinal (steht auf den Wegweisern, oder El Sabinar, steht sonst überall). Mit etwa 30 Hektar ist der Sabinar de la Dehesa das älteste und größte Vorkommen des Kanarischen Wacholders. Ein weiteres, kleineres Vorkommen gibts noch im südwestlichen Küstengebiet als Sabinar de el Julan und den Sabinar de el Golfo im westlichen El-Golfo-Tal um Sabinosa. Der Westen der Insel war einst dicht mit Wacholderwäldern bedeckt. Die Bäume können etwa 3 bis 5 m hoch und 1000 Jahre alt werden, wenn man sie läßt. Sie wurden aber wegen ihres harten, widerstandsfähigen Holzes und aromatischen Harzes als Feuer-, Räucher- und Bauholz genutzt. Der Rest wurde für Viehweiden gerodet oder fiel Waldbränden zum Opfer. Heute ist der Kanarische Wacholder El Hierros geschützt, aber er wächst nur sehr langsam wieder nach. Dazu müssen die harten Samen erst durch einen Raben durch, der die Wacholderbeeren frisst und dann erst keimfähig am anderen Rabenende rauslässt. Und dann dauert die Keimzeit noch 2 Jahre… Die übrig gebliebenen Wacholderbäume sind knorrige, niedergedrückte und verzwirbelte Exemplare. So ein Baum will ja normalerweise senkrecht nach oben zum Licht wachsen, durch die ständigen vorwiegend aus östlicher Richtung wehenden Passat-Fallwinde aus dem Hochland wurden sie aber niedergedrückt und oft verdreht. Teilweise reichen die Äste und Kronen bis zum Boden. Am windabgewandten Ende kann sich im Schutz des toten windexponierten Geästs eine lebende Krone mit Blättern, Blüten und Früchten halten. Bessere Wuchsbedingungen haben die Bäume natürlich im Verband, wenn sie sich im Windschutz anderer Bäume entwickeln können.

La Sabina: ein Wacholderbaum ist das Wahrzeichen El Hierros

An einem größeren struppigen Wacholderbaum geht der Wanderweg durch ein Gatter weiter etwas steiler aufwärts durch die karge Vulkanlandschaft. Unterwegs kommt man an einigen bizarren Einzelbäumen und kleinen zusammenhängenden Wacholderhainen vorbei, die wie gebürstet aussehen. Diese knorrigen, jahrhundertealten Bäume boten uns (viel zu) viele Fotomotive. Nach insgesamt etwa 3 km Weg (für den wir rund 3 Stunden brauchten) kommt man auf 592 m Höhe an einer oberen Trockenmauer beim Wahrzeichen El Hierros raus: La Sabina – der Wacholderbaum schlechthin (der auf keinem El-Hierro-Prospekt fehlen darf) – ein einzeln stehender dekorativ zurechtgestutzter, windgebeugter Baum auf einem eingeebneten kahlen Plateau, eine natürliche Skulptur mit angeschlossenem Parkplatz (es führt auch eine etwa 4 km lange Piste von der südlichen Landstraße Hl500 über das Santuario de Nuestra Señora de los Reyes hierher und noch etwa 1 km weiter zum Mirador de Bascos).

Mirador de Bascos

Wir sind weiter dem ausgeschilderten Wanderweg PR EH-9 gefolgt, der in etwa 1,5 km zum Mirador de Bascos führt. Unterwegs sind noch einige bizarre Wacholderbäume zu bestaunen. El Hierros abgelegenster Aussichtspunkt Mirador de Bascos liegt am westlichen Ende des Golfo-Tals an der Cumbre genannten Abrisskante des Golfo-Tals über einer Steilwand auf 658 m Höhe. Der eigentliche Mirador, eine ausgebaute Aussichtsplattform auf einer vorspringenden Felsrippe ist zwar inzwischen wegen Absturzgefahr durch Erdrutsche gesperrt, aber man hat von der Kante nebenan immer noch großartige Ausblicke auf die tief unten liegende Punta de la Dehesa (wo wir gestern waren) und von Pozo de la Salud über das ganze 15 km lange Golfo-Tal bis zu den Roques de Salmor.

Rückwärts geht man den selben Weg und fotografiert alles noch mal, weil das Licht dann ganz anders ist. Etwas abseits vom Sabina-Baum-Monument gibt es hinter der Mauer noch ein seltsames Betonbauwerk, das wie ein rundes Silo aussieht, in Wirklichkeit aber ein Rast- und Aussichtspunkt ist, der gegen die meist starken Fallwinde mit einer halbrunden Wand geschützt ist. Weiter unten gibts bei einem kleinen Wäldchen noch einen Aussichtspunkt auf dem Vulkankegel Montaña Escobar, von dem man den Sonnenuntergang über dem Atlantik hervorragend beobachten kann. Leider reichte die aufgeschichtete Windschutzmauer bei der Vermessungssäule nur für Einen und ich musste die Windkanalprüfung bestehen.

Punta de Malpaís bei Tamaduste . El Hierro . Kanarische Inseln 2018 (Foto: Andreas Kuhrt)

Wandertouren Kanarische Inseln 2018

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2018 hatten wir uns eigentlich einen Wanderurlaub auf der Kanareninsel La Gomera vorgenommen, wo wir vor 26 Jahren schon mal eine Wanderrundtour gemacht hatten. Damals hatten wir auch „einheimische“ Deutsche gefragt, ob sich ein Besuch auf El Hierro lohnen würde. Die Antwort war: „Was wollt ihr denn da? Da gibt’s doch nur den einen Baum!“ (der „El Sabinar“ von den Postkarten). Weil uns aber einige Freunde von der vielfältigen Schönheit und Ruhe der kleinsten Kanareninsel vorgeschwärmt hatten, wollten wir nun außerdem auch noch nach El Hierro – eine Woche dort und eine da, wie man das so macht als unentschlossener Tourist.

Für Wanderer und Naturliebhaber lohnt es sich unbedingt, El Hierro zu erkunden. Erlebnistouristen sollten einen Bogen drum rum machen, denn Strände, Nachtleben und Highlife gibts nicht. Eine Kombi von La Gomera und El Hierro zu planen, ist eine logistische Herausforderung. Die Schiffs- oder Flugverbindungen funktionieren nur über Teneriffa und der Regionalflughafen Aeropuerto de Tenerife Norte bei La Laguna im Inselnorden ist auch noch eine Autostunde (bei verkehrstechnischen Idealbedingungen) vom internationalen Aeropuerto Reina Sofia in Südteneriffa entfernt. Dagegen ist die günstigste Verbindung nach La Gomera die Fähre, die noch etwas weiter im Südwesten in Los Cristianos abgeht. Es gibt jede Menge Transporte, Flüge, Fähren, Bus, Taxis oder Mietwagen sowie Unterkünfte auf den drei Inseln zu organisieren. El Hierro bietet außerdem auch genug Potenzial für mehrwöchige Erkundungen.

Zwischenstopp in Teneriffa

Unsere Ankunft auf Teneriffa am internationalen Süd-Flughafen Reina Sofía (benannt nach der Frau des spanischen Königs Juan Carlos I. Königin Sofía de Grecia: Sophia von Schleswig-Holstein-Sonderburg-Glücksburg aus Griechenland, vertrackte Adelswelt) war so, dass man nicht gleich weiter nach El Hierro konnte. Wir wollten in der stürmischen Herbstzeit im November die 4-Stunden-Fährüberfahrt (ca. 130 km) vermeiden und stattdessen lieber in 40 Minuten rüberfliegen. Das geht nur vom Regionalflughafen Tenerife Norte. Dafür brauchten wir wenigstens eine Zwischenübernachtung auf Teneriffa in La Laguna.

La Laguna: die alte Hauptstadt von Teneriffa

Die historische Stadt La Laguna hat aber auch ihren Reiz: San Cristóbal de La Laguna ist die alte Hauptstadt von Teneriffa, im Inselnorden-Inneren auf ca. 550 m Höhe gelegen.

Sie wurde 1499 vom spanischen Eroberer Alonso Fernández de Lugo (aus Andalusien) an der Stelle eines von den Guanchen (Urbevölkerung Teneriffas) als heilig verehrten Sees gegründet (daher Laguna, obwohl es keinen See mehr gibt), nachdem diese sich ergeben hatten und hier getauft wurden (sagt die spanische Geschichtsschreibung). Der spanischen Eroberung der Insel Teneriffa im Auftrag Isabellas, der Königin von Kastilien, gingen drei Schlachten gegen die widerständischen nördlichen Guanchen voraus: Nach einer verheerenden Niederlage der kastilischen Truppen unter dem Kommando de Lugos 1494 in der Schlacht im Barranco Acentejo (bei der von 1650 Infanteristen und Reitern etwa 1300 Soldaten getötet wurden), kam de Lugo 1495 wieder mit einem 1500 starken Eroberungsheer nach Teneriffa: In zwei Schlachten im November 1495 auf der Ebene von Aguere (beim heutigen La Laguna) und im Dezember bei Acentejo wurden vermutlich etwa 2000 Guanchen niedergemetzelt (gegenüber 45 toten spanischen Soldaten). Alonso Fernandez de Lugo begründete dann bei seinem Feldlager bei Aguere San Cristóbal de den Ort La Laguna mit einer Kapelle am Platz der heutigen Kirche Nuestra Señora de la Immaculada Concepción. Im 16. Jh. wurde der heutige Stadtkern angelegt. 1514 wurde La Laguna als Stadt ernannt und faktisch die Hauptstadt Teneriffas. Ende 17./Anfang 18. Jh. liefen La Orotava im Norden und Santa Cruz im Süden La Laguna den Rang ab, im 19. Jh. wurde der ehemalige Hafen von La Laguna Santa Cruz zur Hauptstadt von Teneriffa.

Danach wurde La Laguna eine etwas abgehängte Hochschul- und Provinzstadt mit etwa 150 000 Einwohnern, die eine interessante Altstadt aus dem 16./17. Jh. hat. Wir hatten leider nur 2 Stunden Zeit, uns die spanisch-kanarische Architektur anzusehen: die Iglesia de la Inmaculada Concepción de la Virgen María (von 1497, 1558 in heutiger Form gebaut, große Wunder brauchen lange Namen: Kirche der Unbefleckten Empfängnis der Jungfrau Maria), einige historische Straßenzüge (die als UNESCO-Welterbe seit 1999 – 500. Jahrestag der Gründung – zunehmend renoviert werden) und die Bar „Benidorm“ (von 1957, zu deren Besuch es leider nicht mehr gereicht hatte). Auffällig waren auch Streetart-Wandmalerein, die vielleicht auf das Selbstverständnis als Kunst- und Kulturstadt Teneriffas verweisen. Hervorzuheben ist auch noch unsere Übernachtung in der Casa Lagunera, einer ganz kleinen Pension (mit 2 Zimmern) im ruhigen Stadtteil El Coromoto (nahe des Flughafens, aber auch nicht weit vom Stadtzentrum). Die Doppelbettzimmer sind echt ziemlich klein, mit Kücheneinrichtung neben dem Bett und Bad übern Flur (bei unserem Zimmer), aber ausgesprochen ordentlich, sauber und schallisoliert. Und der junge Betreiber Josh, der Ingenieurwissenschaft und Astrophysik studierte und auch noch einen Hauptjob hat, war echt freundlich und hilfsbereit, hat uns im Dunkeln aufgesammelt (weil wir das kleine Haus nicht gefunden haben), viele Tipps gegeben und uns am nächsten Tag zum Flughafen gefahren.

Nach El Hierro

Unseren Flug mit Binter Canarias nach El Hierro hatten wir schon online gebucht und der Check-in nur mit Ausweis funktioniert innerhalb von Minuten. Binter fliegt mit Turboprop-Regionalflugzeugen zwischen den kanarischen Inseln, dem spanischen Festland und Nordafrika. Der Flug von Tenerife Norte nach El Hierro führt an Teneriffas Nordküste am Teide vorbei über La Gomera, ist etwa 200 km lang und dauert 40 Minuten. Der Aeropuerto de los Cangrejos (Krabben-Flughafen) liegt am nordöstlichen Zipfel El Hierros in einer Vulkanebene am Atlantik (1972 fertiggestellt, nicht der Atlantik, sondern der Flughafen). An der Flughafen-Information bekommt man eine Straßenkarte und die Wanderkarte „Red de Senderos“ von El Hierro, die als Übersicht für die 15 meist gut markierten Wanderwege ausreichend ist. Obwohl die Insel ziemlich klein und übersichtlich erscheint, benutzt man vorteilhaft ein Mietauto, denn die einzelnen Orte und interessanten Punkte sind abgelegen, das Inland bergig (bis 1500 m hoch) und teilweise unerschlossen, die Wege/Straßen entsprechend weitläufig, kurvig und die Busverbindungen rar.

El Hierro ist die westlichste und "jüngste" (ca. 1,2 Mio. Jahre) der kanarischen Inseln und liegt etwa 450 km westlich der nordafrikanischen Küste in Westsahara. Große Gebiete sind unwirtliche Lava- und Erosionslandschaften (Malpaís). Von Nordost nach Südwest zieht sich ein gebogener Hauptkamm Cumbre von etwa 1000 m Höhe über die Insel (der höchste Punkt ist der Pico Malpaso mit 1501 m). Ursprünglich entstand El Hierro als unterseeischer Vulkan in etwa 3000 m Meerestiefe. Über einem Hotspot mit Y-förmigen Austrittsgräben bauten vulkanisch aktive Phasen die Insel bis zum etwa 2000 m hohen Golfo-Schildvulkan vor etwa 180 000 Jahren auf (über der Meeresoberfläche erhebt sich also nur das obere Drittel dieses vulkanischen Gebildes). Diese Vulkane kollabierten unter ihrer eigenen Last. In mehreren katastrophalen Bergstürzen bildeten sich die Steilhänge im Südwesten zum Mar de las Calmas (am Vulkan El Julan vor etwa 160 000 Jahren), im Südosten nach Las Playas und noch viel größer im Norden, wo die Flanken des 2000 m hohen Golfo-Vulkans ins Meer abrutschten (vor 130 000 und 15 000 Jahren, die Schuttfächer breiten sich bis 65 km vor der Küste bis zum Meeresboden in 3200 m Tiefe aus). Die steilen sichelförmigen Abrisskanten und flachen Schüttebenen sind Ergebnisse dieser Bergstürze. Das Tal El Golfo öffnet sich vom 1000 bis zu 1500 m hohen Hochlandgrat wie ein riesiges Amphitheater mit etwa 15 km Breite und 5 km Tiefe nach Nordwesten zum Atlantik. (Mehr Informationen: www.rainer-olzem.de/...)
In der Antike galt El Hierro als das Ende der Welt, auf das westliche Inselende Punta de Orchilla wurde im Jahr 150 vom griechischen Geographen Claudius Ptolemäus der Nullmeridian festgelegt (der später für Greenwich reklamiert wurde). Auf der in der Antike Ferro genannten Insel (von Ero/Esero: hart oder Hero/Hera: Brunnen) lebten von den anderen Kanareninseln oder Nordafrika eingewanderte berberische Ureinwohner, die sich Bimbache nannten, als steinzeitliche Hirtenkultur seit etwa dem 2. Jh. bis zur Eroberung durch die Spanier im 15. Jh. (im Jahr 1400 etwa 2500 Ureinwohner). Ende des 14./Anfang des 15. Jh. wurden Ureinwohner der kanarischen Inseln durch Händler und Piraten gefangen, um sie als Sklaven zu verkaufen. Zur Eroberung der kanarischen Inseln wurde vom König von Kastilien der französische Jean de Béthencourt als Herr der Kanaren eingesetzt. Bei seiner Landung 1405 an der Bahía de Naos ließ er den Bimbache-König Armiche und die Männer der Familienclans, die zu einem angeblichen Vertragsabschluss gekommen waren, gefangen nehmen und später teilweise in die Sklaverei verkaufen. Es wurden französische und später kastilische Bauern angesiedelt. Nach Lanzarote, Fuerteventura und El Hierro wurden auch die anderen kanarischen Inseln für Spanien kolonisiert.
Heute gehört El Hierro zur spanischen Provinz Santa Cruz de Tenerife innerhalb der Autonomen Gemeinschaft der Kanaren. Gegenwärtig leben etwa 10000 Einwohner auf El Hierro, davon ca. 1600 in der Inselhauptstadt Villa de Valverde. Im Jahr 2000 wurde El Hierro zum UNESCO-Biosphärenreservat erklärt und 2014 zum Geopark. Ein Projekt, die Energieversorgung der Insel ab 2014 komplett auf saubere, erneuerbare Energiequellen (Windkraft + Wasser-Pumpspeicher) umzustellen, konnte nicht vollständig umgesetzt werden.

Tamaduste

Als erstes Ziel haben wir den kleinen Fischer- und Touristenort Tamaduste (300 Einwohner) an der Küste gleich nördlich neben dem Flugplatz angesteuert, um einen ersten Eindruck von El Hierro zu gewinnen. Tamaduste ist bekannt für die größte und schönste natürliche Hafen- und Badebucht Charco del Tamaduste, die mit einer umlaufenden Uferpromenade erschlossen ist und und ist sozusagen das „Seebad“ der Inselhauptstadt Villa de Valverde (3 km Luftlinie, aber 9 gewundene Straßenkilometer entfernt auf einem 600 m hohen Bergplateau, als einzige kanarische Inselhauptstadt nicht an der Küste gelegen). Strände gibts auf El Hierro ganz wenige, weil die brandungsbenagte Lavaküste meist steil ins Meer abfällt. Deshalb gibts an verschiedenen geeigneten Buchten durch Brandungsmauern geschützte Meerwasserbecken (charco = Pfütze, Tümpel), die einigermaßen sicheres Baden ermöglichen. In Tamaduste gibts ein paar alte kanarische Häuschen, viele Apartamento-Betonneubauten, ein paar Restaurants und Cafés und ein Polideportivo: ein irgendwie deplatzierter überdimensionierter Ballsportplatz mit vielleicht 400 Zuschauerplätzen ganz aus Beton und Lavastein (abgesehen davon, dass jeder Sturz da richtig hart ist, nagt auch der Zahn der Zeit als Betonfraß dran, es sieht so aus, als wäre beim Flugplatzbau 1972 noch etwas Beton übriggeblieben).

Küstenwanderung Tamaduste – Roque de las Gaviotas (SL-EH 3)

Weil wir von urtümlichen Lavalandschaften fasziniert sind, wollten wir erst mal die kleine ausgebaute und markierte Wanderung SL-EH 3 durchs Malpaís (Geröllwüste, Ödland) bei Tamaduste machen. Tamaduste liegt auf eine Lavaebene, inmitten von Lavafeldern unterhalb des Vulkans Montaña del Tesoro (Schatzberg, dort wird irgendetwas abgebaut), der als 490 m hoher roter Gipfel am Hochlandabhang über dem Ort steht. Diese dem Hochland vorgelagerten Lavaebenen werden Islas bajas (niedrige Inseln) genannt und sind erdgeschichtlich durch die Überflutung des Küstensockels durch vulkanische Lava eines darüber liegenden Vulkanausbruchs entstanden. Sie beginnt hinter Tamaduste am Ende der Calle Malpaís (Wende- und Schotter-Parkplatz, Wegweiser La Fortaleza: Festung) am Baja de Guillermo (Unterer Willi? Kleiner Willi? Ein Lavafelsvorsprung im Atlantik) und führt etwa 2 km immer entlang der ca. 25 m hohen Lavasteilküste. Die Atlantikwogen nagen hier mit zäher Ausdauer am Lavagestein und legen Klüfte, Höhlen, Tore und Felsen frei. Anfang November war der Seegang ganz schön heftig und sorgte für bemerkenswerte Wellenbrecher und Spritzwasserattacken. Wir sind ca. 1 km auf dem gut ausgebauten Weg in der rauen Lavalandschaft bis zum Roque de las Gaviotas (Mövenfelsen) gegangen, ein etwa 50 m vor der Küste 30 m herausragender Fels, der dem Wellengang trotzt. Die schönen senkrechten Basaltsäulen deuten auf ein kompaktes Lavapaket oder einen alten Vulkanschlot, der langsam abkühlte, dabei durch regelmäßige Spannungsrisse Säulen bildete und besonders hart ist. Wir sind hier umgekehrt, aber der Weg geht noch etwa 1 km durch die Vulkanlandschaft weiter und erreicht bei den Felszungen Los Puentes (Brücken) die Küste an einem kleinen Geröllstrand. An den Puentes gibt es Felsformationen, die durch Erosion vielfältig durchbrochen sind und dadurch ein Gewirr aus Lavabögen, Säulen und Löchern bilden, das auch Arcos de la Fortaleza genannt wird.

Nach 2 Stunden Begeisterung für Lava und Meer wurde es Zeit, unsere Unterkunft der nächsten 10 Tage zu erreichen: die Casa Rural El Lunchón am Rand des inzwischen größten Ortes El Hierros La Frontera („die Grenze“) im nördlichen Golfo-Tal. Dazu kann man seit 2003 die Küstenstraße durch den Tunnel Los Roquillos zwischen Mocanal und Las Puntas benutzen (das sind nur rund 25 km statt der ehemals 43 kurvigen Straßenkilometer über den 1345 m hohen La-Llania-Pass. Früher war diese Passstraße die einzige Verbindung ins Golfo-Tal und La Frontera der erste Ort, den man nach den lorbeer-baumheidewaldbedeckten Steilwänden erreichte.

El Lunchón

Unsere Unterkunft Casa Rural El Lunchón (Landhaus zum Mittagessen?) liegt im Golfo-Tal, am östlichen Rand der aus verschiedenen Orten zusammengebastelten Großgemeinde La Frontera. Im wirklich sehr kleinen, etwas abgelegenen Ortsteil El Lunchón ist es das oberste von etwa 10 Häusern inmitten von Obstbauterrassen an den Steilhängen zum Hierro-Grat (etwa 900 Höhenmeter unterhalb des Aussichtspunktes Mirador de Jinama, 1230 m). Es ist ein originales herreñisches Wohnhaus, Mitte des 19. Jh. erbaut von Blas Quintero Zamora (dem Ur-Urgroßvater der jetzigen Besitzerfamilie Quintero), der als Auswanderer auf den Tabakfeldern Kubas gearbeitet hatte. Auf den Terrassen der umgebenden Finca wurden Tabak, Wein und Obst angebaut. Die Familie wohnt jetzt in einem neueren Haus unterhalb, hat das alte Wohnhaus stilecht renoviert und komfortabel ausgestattet und vermietet es als eigenständiges Landhaus mit 3 Schlafzimmern (eines im ehemaligen Vorrats- und Weinkeller), einem großen Wohn-Küchen-Bereich, modernem Bad und 3 Terrassen mit toller Aussicht über das Golfo-Tal bis zur Atlantikküste und hoch zum Grat. Die Lage als oberstes Haus von El Lunchón ist wirklich „überragend“, aber dafür ist auch die Zufahrt ziemlich steil und eng (nachdem die Besitzer-Tochter das Auto einmal als „Lehrvorführung“ eingeparkt hatte, haben wir es vorgezogen, es unten stehen zu lassen und lieber 250 m zu laufen). Die Gastgeber sind sehr nett, eine etwas weiter unten wohnende Deutsche hilft gern bei Verständigungsschwierigkeiten und das Haus mit seinen Terrassen ist wirklich klasse. Morgens und abends (meist im Dunklen nach den Touren) haben wir meist draußen gesessen und die spektakuläre Aussicht genossen (oder den Fledermäusen bei ihrer nächtlichen Jagd zugeguckt, von denen jede scheinbar ihre eigene Laterne hatte). Das Wappentier der Casa El Lunchón ist die Eidechse, die über all am und im Haus (als Figur) vorkommt. Genau das gleiche gilt für den Portugiesischen Tausendfüßer, der seit einigen Jahren auf den Kanarischen Inseln Urlaub macht. Bei feuchtem Wetter kommt der bicho negro (schwarzer Wurm) in Massen aus dem Boden und zieht um (und manchmal auch in) die Häuser. Aber er ist völlig harmlos (beißt nicht, lärmt nicht, stinkt nicht, kackt nicht wie z.B. die Hunde auf den Grundstücken an der Straße) und gar nicht schrecklich, sonder sogar eher schreckhaft: bei Berührung ringelt er sich spiralig zusammen (dann sieht die Segment-Struktur sogar richtig interessant aus) und wartet, dass man ihn auffegt. Ich fand die jedenfalls gar nicht schlimm, sondern hab es sportlich genommen und ihnen immer mal Flugservice in die Umgebung geboten.

Campanario Joapira

Sehr auffällig im ganzen Golfo-Tal steht auf dem roten Vulkanaschekegel der Montaña Joapira wie ein Landleuchtturm der freistehende Glockenturm Campanario Frontera der Kirche Nuestra Señora de Candelaria (Unser Lieben Frau Lichtweihe oder einfach Mariä Lichtmess). Die große Hallenkirche ist außen relativ schmucklos mit kanarentypischen Lavasteinen an allen Rändern und großen weißgetünchten Putzflächen. Der Innenraum wird von Lavasäulen, einer großen Pinienholzdecke und einem katholisch-goldprächtigen Marien-Altar geprägt. Neben der Kirche führen Stufen auf den etwa 40 m hohen Vulkankegel Joapira, auf dem der Glockenturm der Kirche steht. Der Hügel mit dem Glockenturm überragt das Golfo-Tal wie ein Leuchtturm. Die Rundumsicht von der exponierten Aussichtsplattform ist großartig: von der rund 12 km entfernten Punta de la Dehesa im Westen über das gesamte etwa 15 km breite Golfo-Tal mit der Atlantikküste bis zur etwa 8 km entfernten Punta de Arelmo/Roques de Salmor im Norden und über den ganzen Berggrat der Golfo-Steilhänge im Süden. Wenn dazu noch das abendliche Sonnenuntergangslicht auf die Bergflanken scheint, hat man ein Bilderbuchpanorama vor sich.