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06.04.2026 Rundwanderung bei Bad Harzburg zu den Rabenklippen
Auf den Großen Burgberg
Ostermontagmorgen am Frühstücks-Tischlein-deck-dich bei Alexandra: es waren zwar keine gebratenen Tauben, aber gebratene, gekochte oder gerührte Ostereier wurden wie im Schlaraffenland serviert. Dann konnten wir sehr zufrieden unsere sieben, nein, acht Sachen packen und zu einer schönen letzten Osterwanderrunde im Bad Harzburger Wald aufbrechen. Unser Ziel waren die Aussichtsfelsen Rabenklippen (zufällig ist da auch eine Waldgaststätte dabei), die etwa 2,5 km Luftlinie südöstlich des Stadtrandes im Wald liegen und nur 350 m (aber eben auch 200 Höhenmeter) von unserem Grenzwanderweg Grünes Band/Harzer Grenzweg im Eckertal entfernt sind. Ein (im wahrsten Sinne des Wortes) herausragender Ausgangspunkt für Wanderungen bei Bad Harzburg ist der Große Burgberg (483 m) (mehr Informationen: Förderverein historischer Burgberg). Praktischerweise fährt vom Kurpark eine historische Kabinenseilbahn zum Burgberg. Die Burgberg-Seilbahn wurde 1929 in Betrieb genommen (älteste Seilbahn Norddeutschlands), gebaut von der damals führenden Firma der noch neuen Seilbahntechnik Adolf Bleichert & Co., Fabrik für Drahtseilbahnen, Leipzig-Gohlis. Für 4 € pro Person fährt man in 3 Minuten 190 Höhenmeter auf 480 m Länge von der Talstation in der Nordhäuser Straße 2 zur Burgbergstation. Am Aussichtsplateau hat man einen schönen Panoramablick über Bad Harzburg und das nördliche Harzvorland in Richtung Braunschweig (etwa 50 km entfernt), noch weiter nördlich liegen dann Hamburg (200 km), Dänemark (500 km) und Norwegen (750 km). Auf dem Burgberg gibts noch die Burgruine Harzburg: ehemalige Kaiserburg, um 1065 erbaut, eine Canossasäule: 19 m hoher Obelisk, Otto-von-Bismarck-Denkmal von 1877, die Harzsagenhalle von 1932 (die Goslarer Künstler Eduard und Franz Bergmann schufen einen Harzsagenschrein mit 14 sagenhaften Szenenfenstern aus Eichenholz und 125 Marmorskulpturen zu 14 Harzer Sagen), Plumbohms Aussichtsreich: Gast- und Logierhaus auf dem Burgberg, ursprünglich Hotel von 1860, in 1960er Jahren für ein Selbstbedienungsrestaurant abgerissen, 2014 Hotelneubau in Holzbauweise, vom Bau- und Immobilienunternehmer Dirk Junicke betrieben (www.curant-bauregie.de) und seit 2014 eine BaumSchwebeBahn vom Antoniusplatz am Burgberg ins Kalte Tal. Ganz schön was los da oben, aber was da nicht abgeht, ist die Post, denn im Naturpark Harz gibts keinen Autoverkehr, außer der Erdgasbus Linie 875 „Der grüne Harzer“, der auf der Wanderrunde Bad Harzburg – Molkenhaus – Rabenklippe – Abzweig Eckertalsperre -Radau-Wasserfall fährt. Das krasseste, was am Burgberg zu sehen war, war aber eine Einradfahrerin, die an der Canossasäule angerollt kam und die dann unverdrossen den Kaiserweg weiter aufwärts strampelte. Ich hab mal recherchiert: das kann eigentlich nur Rebekka Wiedener (www.goslarsche.de/Nachrichten/… | www.youtube.com/@rebekkawiedener1330 | www.instagram.com/becky_diebergziege) aus Bad Harzburg bei einer kleinen Ostermontagmorgenspazierfahrt sein: sie ist mehrfache Sächsische (studierte in Freiberg), Deutsche, Europa- und Weltmeisterin in verschiedenen Disziplinen des Berg-Einradfahrens – Cross Country, Trial, Marathon, Uphill, Downhill, je bergiger, desto besser. Ihre richtigen Touren macht sie z.B. auf dem 1800 km langen Arizona Trail (2017) oder European Divide Trail (2024), die längste offizielle Bikepackingroute der Welt: 7800 km diagonal durch Europa vom Cabo de São Vicente in Portugal bis Grense Jakobselv (norwegisch-russischen Grenze). Unvorstellbar für Osterwanderer (für diese Tour würden wir ungefähr 100 Jahre jeweils 4 Tage über Ostern brauchen).
Firstweg zur Rabenklippe
Aber wir wollen ja gar kein Leistungswandern machen, sondern einfach nur mal raus und für uns sonst unbekanntes Gebiet erkunden, denn ohne den Grünes-Band-Grenzwanderweg würden wir niemals in diese abgelegenen, meist untouristischen und vermeintlich unspektakulären Gegenden kommen. Wir folgten dann aber doch der Einradspur auf dem Kaiserweg, an dem wir eine Bank mit Aussicht fanden, auf die wir endlich mal alle acht zusammen passten. Ab der Säperstelle ging’s auf dem Firstweg weiter und man kommt zum Kreuz des deutschen Ostens, ein rund 20 m hohes Stahl-Holz-Konstruktion an der Uhlenklippe, das an die Vertreibung der deutschen Bevölkerung aus Böhmen und Mähren erinnern soll. Der Firstweg geht durch ziemlich lichten Fichtenwald weiter nach Osten und nach rund 5 km ab dem Burgberg erreichten wir das Waldgasthaus Rabenklippe. Rettung naht! Das Waldgasthaus liegt nicht nur idyllisch an einem Felsband im Wald mit freiem Blick nach Süden, sondern bietet auch leckeres Essen und Getränke: kann man nur empfehlen. Schon seit 1874 gab’s an diesem Aussichtspunkt einen Verkaufsstand: „Frau Johanne Schilling trug die Getränke in einer Kiepe auf die Höhe.“ (steht in der Gasthausgeschichte) Bald danach wurde ein festes Gasthaus errichtet, das seitdem von 5 Familien bewirtschaftet wurde. Seit 1999 wird die „Rabenklippe“ von Familie Gummich aus Bad Harzburg geführt (Inhaber: Bäckermeister Andreas Gummich). Direkt neben der schönen Terrasse kann man auf den Aussichtsfelsen Rabenklippe (555 m) steigen: mit freiem Blick über den Nordharz zum Brocken. Etwa 350 m entfernt und rund 200 Höhenmeter tiefer erkennt man den alten Kolonnenweg an der ehemaligen DDR-Grenze im Eckertal. Eigentlich wäre das ja unser Grünes-Band-Wanderweg gewesen, aber seit wir vor 2 Tagen am Rastplatz Kaffeehorst am Fuß des Wurmbergs nach Schierke und zum Brocken abgebogen sind, waren wir nicht mehr auf dem Grenzweg, der entlang des Flüsschens Ecker verläuft. Nur auf der Eckerstaumauer hatten wir die ehemalige DDR-Grenze gekreuzt, um nach Bad Harzburg (in Niedersachsen) zu kommen.
Wo sich Luchs und Hase Gute Nacht sagen
Bei der Rabenklippe gibts außerdem noch ein Luchsgehege (Livecam): Dieses Ausweichgehege wurde im Jahr 2000 im Rahmen des ersten Auswilderungsprogramms für Luchse in Deutschland eröffnet. In einem eingezäunten Waldgebiet von etwa 100 m Durchmesser (4 ha) leben einige Luchse, aktuell vielleicht 2, die wir gesehen haben. Die aus europäischen Wildparks stammenden Tiere werden im Wildgehege an die neue Umgebung im Harz gewöhnt und später ausgewildert. Zwischen 2000 und 2006 wurden 24 Luchse ausgewildert. Inzwischen hat sich stabile eine „Luchsbevölkerung“ von 90 Tieren im Nationalpark Harz und 70 im Umland eingestellt. Das Luchsprojekt dient dazu, die 1818 ausgerotteten Luchse im Harz wieder heimisch zu machen, um diese Tierart in freier Wildbahn zu erhalten und wieder ein natürliches Wald-Gleichgewicht (z.B. in Bezug auf das Schalenwild) herzustellen.
Eine Busfahrt, die ist lustig: Rückfahrt nach Walkenried
Die Rückwanderung nach Bad Harzburg war unspektakulär, wurde aber durch einen Feuerstein versüßt. Wir kamen dann am Alten Kaiserweg wieder in die Stadt und erreichten den Bus nach Braunlage mit Umstieg nach Walkenried. Dummerweise wurde in Braunlage in der Bahnhofstraße irgendwas gebaut, so dass sich die Umsteigestrecke in den Walkenriedbus von 5 m an der zentralen Bushaltestelle auf 800 m von der Marktstraße verlängerte, die Umsteigezeit von 10 Minuten blieb aber gleich. 2 Minuten davon brauchten wir, um uns und den Busfahrer davon zu überzeugen, dass sein Halt nicht der „neue“ Busbahnhof ist. Unterstützung hatten wir von einer Überzeugungstäterin, die den Umstieg schon einmal gegen die hartnäckige Busfahrermeinung gemeistert hatte. Also: falls ein Busfahrer der KVG Braunschweig in Braunlage Marktstraße anhält und nichts weiter sagt, könnt ihr schon mal eure Sachen packen und aussteigen, denn weiter fährt er nicht. Falls er sagt, das wäre die neue Endhaltestelle in Braunlage, glaubt ihm nicht und lauft um euer Anschlussleben durch die Bahnhofstraße zur anderen Endhaltestelle von Süden: genannt ZOB. Die KI weiß es besser: „Es gibt umfangreiche Vollsperrungen in der Lauterberger Straße und Bahnhofstraße… Die Arbeiten sollen voaussichtlich bis 30. Oktober 2026 andauern… Bis Ende Mai (könnte aber auch Oktober sein) ist der Busverkehr stark beeinträchtigt; Süd- und Nordharzer Linien sind getrennt, Umstiege erfordern Fußwege.“ Dank der Sprintqualitäten von Dietrich und Manu konnten wir unseren Anschlussbus doch noch erreichen (obwohl die gar nicht wussten, wo der Busbahnhof in Braunlage ist). Ich beschreibe mal kurz den Umsteigeweg: Marktstraße rund 100 m nach Süden – links abbiegen auf Herzog-Wilhelm-Straße – alle Cafés, Bars und Restaurants links und rechts liegen lassen – etwa 200 m bis Bahnhofstraße (geht einfach weiter geradeaus) – auf Bahnhofstraße etwa 350 m weiter nach Süden – an 5armiger Straßenkreuzung links abbiegen Am Buchholzplatz – nach rund 50 m haben sie das Ziel ZOB Braunlage erreicht und sehen vielleicht ihren Bus, möglicherweise aber nur von hinten. Wir haben uns schon ausgemalt, wie sich Manu vor den Bus schmeißt und Dietrich an die Tür klammert… Und tatsächlich ist unseren Bus gerade losgefahren, aber ganz entspannt erst mal vom Pausenhalt zur Abfahrtshaltestelle. Aber alles wird gut: Elvis persönlich hat uns gefahren…
Also, wir sind dann doch schon nach etwa einer Stunde Fahr- und Laufzeit relativ fix in Walkenried angekommen, der Bus hat zur Feier des Tages (also feiertags) am Klostertor angehalten, so dass wir nicht vom Bahnhof zurück laufen mussten. Am Kloster kamen wir auf der anderen Seite der Klosterkirchenruine an, an der vier vor 4 Tagen losgelaufen sind. Im Kloster-Café gabs noch einen Kurz-vor-Küchenschluss-Kaffee. Und dann war die Osterwanderung plötzlich zu Ende. Und wenn sie nicht gestolpert sind, dann wandern sie vielleicht nächstes Jahr weiter…