Osterwanderung Grünes Band 2026: Harz: Bad Harzburg: Frühstück im Stadtparkhotel Alexandra (Foto: Andreas Kuhrt)

03.-06.04.2026 Osterwanderung Grünes Band: Harz (4)

Harz 1 2 3 4

06.04.2026 Rundwanderung bei Bad Harzburg zu den Rabenklippen

Auf den Großen Burgberg

Ostermontagmorgen am Frühstücks-Tischlein-deck-dich bei Alexandra: es waren zwar keine gebratenen Tauben, aber gebratene, gekochte oder gerührte Ostereier wurden wie im Schlaraffenland serviert. Dann konnten wir sehr zufrieden unsere sieben, nein, acht Sachen packen und zu einer schönen letzten Osterwanderrunde im Bad Harzburger Wald aufbrechen. Unser Ziel waren die Aussichtsfelsen Rabenklippen (zufällig ist da auch eine Waldgaststätte dabei), die etwa 2,5 km Luftlinie südöstlich des Stadtrandes im Wald liegen und nur 350 m (aber eben auch 200 Höhenmeter) von unserem Grenzwanderweg Grünes Band/Harzer Grenzweg im Eckertal entfernt sind. Ein (im wahrsten Sinne des Wortes) herausragender Ausgangspunkt für Wanderungen bei Bad Harzburg ist der Große Burgberg (483 m) (mehr Informationen: Förderverein historischer Burgberg). Praktischerweise fährt vom Kurpark eine historische Kabinenseilbahn zum Burgberg. Die Burgberg-Seilbahn wurde 1929 in Betrieb genommen (älteste Seilbahn Norddeutschlands), gebaut von der damals führenden Firma der noch neuen Seilbahntechnik Adolf Bleichert & Co., Fabrik für Drahtseilbahnen, Leipzig-Gohlis. Für 4 € pro Person fährt man in 3 Minuten 190 Höhenmeter auf 480 m Länge von der Talstation in der Nordhäuser Straße 2 zur Burgbergstation. Am Aussichtsplateau hat man einen schönen Panoramablick über Bad Harzburg und das nördliche Harzvorland in Richtung Braunschweig (etwa 50 km entfernt), noch weiter nördlich liegen dann Hamburg (200 km), Dänemark (500 km) und Norwegen (750 km). Auf dem Burgberg gibts noch die Burgruine Harzburg: ehemalige Kaiserburg, um 1065 erbaut, eine Canossasäule: 19 m hoher Obelisk, Otto-von-Bismarck-Denkmal von 1877, die Harzsagenhalle von 1932 (die Goslarer Künstler Eduard und Franz Bergmann schufen einen Harzsagenschrein mit 14 sagenhaften Szenenfenstern aus Eichenholz und 125 Marmorskulpturen zu 14 Harzer Sagen), Plumbohms Aussichtsreich: Gast- und Logierhaus auf dem Burgberg, ursprünglich Hotel von 1860, in 1960er Jahren für ein Selbstbedienungsrestaurant abgerissen, 2014 Hotelneubau in Holzbauweise, vom Bau- und Immobilienunternehmer Dirk Junicke betrieben (www.curant-bauregie.de) und seit 2014 eine BaumSchwebeBahn vom Antoniusplatz am Burgberg ins Kalte Tal. Ganz schön was los da oben, aber was da nicht abgeht, ist die Post, denn im Naturpark Harz gibts keinen Autoverkehr, außer der Erdgasbus Linie 875 „Der grüne Harzer“, der auf der Wanderrunde Bad Harzburg – Molkenhaus – Rabenklippe – Abzweig Eckertalsperre -Radau-Wasserfall fährt. Das krasseste, was am Burgberg zu sehen war, war aber eine Einradfahrerin, die an der Canossasäule angerollt kam und die dann unverdrossen den Kaiserweg weiter aufwärts strampelte. Ich hab mal recherchiert: das kann eigentlich nur Rebekka Wiedener (www.goslarsche.de/Nachrichten/… | www.youtube.com/@rebekkawiedener1330 | www.instagram.com/becky_diebergziege) aus Bad Harzburg bei einer kleinen Ostermontagmorgenspazierfahrt sein: sie ist mehrfache Sächsische (studierte in Freiberg), Deutsche, Europa- und Weltmeisterin in verschiedenen Disziplinen des Berg-Einradfahrens – Cross Country, Trial, Marathon, Uphill, Downhill, je bergiger, desto besser. Ihre richtigen Touren macht sie z.B. auf dem 1800 km langen Arizona Trail (2017) oder European Divide Trail (2024), die längste offizielle Bikepackingroute der Welt: 7800 km diagonal durch Europa vom Cabo de São Vicente in Portugal bis Grense Jakobselv (norwegisch-russischen Grenze). Unvorstellbar für Osterwanderer (für diese Tour würden wir ungefähr 100 Jahre jeweils 4 Tage über Ostern brauchen).

Firstweg zur Rabenklippe

Aber wir wollen ja gar kein Leistungswandern machen, sondern einfach nur mal raus und für uns sonst unbekanntes Gebiet erkunden, denn ohne den Grünes-Band-Grenzwanderweg würden wir niemals in diese abgelegenen, meist untouristischen und vermeintlich unspektakulären Gegenden kommen. Wir folgten dann aber doch der Einradspur auf dem Kaiserweg, an dem wir eine Bank mit Aussicht fanden, auf die wir endlich mal alle acht zusammen passten. Ab der Säperstelle ging’s auf dem Firstweg weiter und man kommt zum Kreuz des deutschen Ostens, ein rund 20 m hohes Stahl-Holz-Konstruktion an der Uhlenklippe, das an die Vertreibung der deutschen Bevölkerung aus Böhmen und Mähren erinnern soll. Der Firstweg geht durch ziemlich lichten Fichtenwald weiter nach Osten und nach rund 5 km ab dem Burgberg erreichten wir das Waldgasthaus Rabenklippe. Rettung naht! Das Waldgasthaus liegt nicht nur idyllisch an einem Felsband im Wald mit freiem Blick nach Süden, sondern bietet auch leckeres Essen und Getränke: kann man nur empfehlen. Schon seit 1874 gab’s an diesem Aussichtspunkt einen Verkaufsstand: „Frau Johanne Schilling trug die Getränke in einer Kiepe auf die Höhe.“ (steht in der Gasthausgeschichte) Bald danach wurde ein festes Gasthaus errichtet, das seitdem von 5 Familien bewirtschaftet wurde. Seit 1999 wird die „Rabenklippe“ von Familie Gummich aus Bad Harzburg geführt (Inhaber: Bäckermeister Andreas Gummich). Direkt neben der schönen Terrasse kann man auf den Aussichtsfelsen Rabenklippe (555 m) steigen: mit freiem Blick über den Nordharz zum Brocken. Etwa 350 m entfernt und rund 200 Höhenmeter tiefer erkennt man den alten Kolonnenweg an der ehemaligen DDR-Grenze im Eckertal. Eigentlich wäre das ja unser Grünes-Band-Wanderweg gewesen, aber seit wir vor 2 Tagen am Rastplatz Kaffeehorst am Fuß des Wurmbergs nach Schierke und zum Brocken abgebogen sind, waren wir nicht mehr auf dem Grenzweg, der entlang des Flüsschens Ecker verläuft. Nur auf der Eckerstaumauer hatten wir die ehemalige DDR-Grenze gekreuzt, um nach Bad Harzburg (in Niedersachsen) zu kommen.

Wo sich Luchs und Hase Gute Nacht sagen

Bei der Rabenklippe gibts außerdem noch ein Luchsgehege (Livecam): Dieses Ausweichgehege wurde im Jahr 2000 im Rahmen des ersten Auswilderungsprogramms für Luchse in Deutschland eröffnet. In einem eingezäunten Waldgebiet von etwa 100 m Durchmesser (4 ha) leben einige Luchse, aktuell vielleicht 2, die wir gesehen haben. Die aus europäischen Wildparks stammenden Tiere werden im Wildgehege an die neue Umgebung im Harz gewöhnt und später ausgewildert. Zwischen 2000 und 2006 wurden 24 Luchse ausgewildert. Inzwischen hat sich stabile eine „Luchsbevölkerung“ von 90 Tieren im Nationalpark Harz und 70 im Umland eingestellt. Das Luchsprojekt dient dazu, die 1818 ausgerotteten Luchse im Harz wieder heimisch zu machen, um diese Tierart in freier Wildbahn zu erhalten und wieder ein natürliches Wald-Gleichgewicht (z.B. in Bezug auf das Schalenwild) herzustellen.

Eine Busfahrt, die ist lustig: Rückfahrt nach Walkenried

Die Rückwanderung nach Bad Harzburg war unspektakulär, wurde aber durch einen Feuerstein versüßt. Wir kamen dann am Alten Kaiserweg wieder in die Stadt und erreichten den Bus nach Braunlage mit Umstieg nach Walkenried. Dummerweise wurde in Braunlage in der Bahnhofstraße irgendwas gebaut, so dass sich die Umsteigestrecke in den Walkenriedbus von 5 m an der zentralen Bushaltestelle auf 800 m von der Marktstraße verlängerte, die Umsteigezeit von 10 Minuten blieb aber gleich. 2 Minuten davon brauchten wir, um uns und den Busfahrer davon zu überzeugen, dass sein Halt nicht der „neue“ Busbahnhof ist. Unterstützung hatten wir von einer Überzeugungstäterin, die den Umstieg schon einmal gegen die hartnäckige Busfahrermeinung gemeistert hatte. Also: falls ein Busfahrer der KVG Braunschweig in Braunlage Marktstraße anhält und nichts weiter sagt, könnt ihr schon mal eure Sachen packen und aussteigen, denn weiter fährt er nicht. Falls er sagt, das wäre die neue Endhaltestelle in Braunlage, glaubt ihm nicht und lauft um euer Anschlussleben durch die Bahnhofstraße zur anderen Endhaltestelle von Süden: genannt ZOB. Die KI weiß es besser: „Es gibt umfangreiche Vollsperrungen in der Lauterberger Straße und Bahnhofstraße… Die Arbeiten sollen voaussichtlich bis 30. Oktober 2026 andauern… Bis Ende Mai (könnte aber auch Oktober sein) ist der Busverkehr stark beeinträchtigt; Süd- und Nordharzer Linien sind getrennt, Umstiege erfordern Fußwege.“ Dank der Sprintqualitäten von Dietrich und Manu konnten wir unseren Anschlussbus doch noch erreichen (obwohl die gar nicht wussten, wo der Busbahnhof in Braunlage ist). Ich beschreibe mal kurz den Umsteigeweg: Marktstraße rund 100 m nach Süden – links abbiegen auf Herzog-Wilhelm-Straße – alle Cafés, Bars und Restaurants links und rechts liegen lassen – etwa 200 m bis Bahnhofstraße (geht einfach weiter geradeaus) – auf Bahnhofstraße etwa 350 m weiter nach Süden – an 5armiger Straßenkreuzung links abbiegen Am Buchholzplatz – nach rund 50 m haben sie das Ziel ZOB Braunlage erreicht und sehen vielleicht ihren Bus, möglicherweise aber nur von hinten. Wir haben uns schon ausgemalt, wie sich Manu vor den Bus schmeißt und Dietrich an die Tür klammert… Und tatsächlich ist unseren Bus gerade losgefahren, aber ganz entspannt erst mal vom Pausenhalt zur Abfahrtshaltestelle. Aber alles wird gut: Elvis persönlich hat uns gefahren…

Also, wir sind dann doch schon nach etwa einer Stunde Fahr- und Laufzeit relativ fix in Walkenried angekommen, der Bus hat zur Feier des Tages (also feiertags) am Klostertor angehalten, so dass wir nicht vom Bahnhof zurück laufen mussten. Am Kloster kamen wir auf der anderen Seite der Klosterkirchenruine an, an der vier vor 4 Tagen losgelaufen sind. Im Kloster-Café gabs noch einen Kurz-vor-Küchenschluss-Kaffee. Und dann war die Osterwanderung plötzlich zu Ende. Und wenn sie nicht gestolpert sind, dann wandern sie vielleicht nächstes Jahr weiter…

03.-06.04.2026 Osterwanderung Grünes Band: Harz (3)

Harz 1 2 3 4

05.04.2026 SchierkeBrockenBad Harzburg

Aufstieg von Schierke zum Brocken

Ostersonntagmorgen in der Jugendherberge Schierke: die Ostereier waren gerührt oder gekocht bei einem guten Frühstücksbuffet. An der Jugendherberge ist man direkt am Einstieg zum Aufstieg zum Brocken: von 631 auf 1141 m: 510 Höhenmeter auf 6 km Länge. Unser Aufstieg sollte über die Großmutter-Rodelbahn, Alte Bobbahn, Bahnparallelweg, Eckerlochstieg und ein Stück Brockenstraße bis zur Brockenkuppe gehn. Hinter Schierke beginnt der Harz-Nationalpark: abgestorbene Bäume bleiben nach dem Naturparkmotto „Natur Natur sein lassen“ stehen und liegen wie sie wollen (außer, wenn sie auf Wegen gefährlich werden könnten), der gewesene „Wald“ wird nicht bewirtschaftet oder aufgeforstet, sondern soll sich nach den Bedingungen vor Ort natürlich entwickeln. Der Anblick von Baummikado in großflächig abgestorbenen Fichtenwäldern ist wüst, aber es soll besser werden. Beim Aufstieg war mir noch aufgefallen, dass die Rodelbahn für Großmütter viel steiler als die Bobbahn war, vielleicht von der Rentenversicherung gesponsert. Von den Wanderwegen nördlich oberhalb von Schierke hatte man mangels Wald jede Menge Aussicht: runter zur Jugendherberge Schierke und über das Tal der Kalten Bode hinweg nach Süden zum Wurmberg sowie Kleinen und Großen Winterberg, wo wir gestern hergekommen waren. Nach etwa 1,5 km Aufstiegsweg erreicht man die Gleise der Brockenbahn, die sich von Schierke kommend langsam am Brockenhang bergauf windet. In der Hoffnung, mal eine Brocken-Dampflokbahn von Nahem zu sehen, sind wir dann den Bahnparallelweg weiter gegangen. Auf 2,3 km Länge folgt der Weg den Bahngleisen etwas oberhalb in einem Abstand von etwa 20-40 m. Auch an diesem Weg hatten wir weite, ungetrübte Aussichten. Leider zu ungetrübt, die Qualmwolken der Brockenbahn fehlten bisher. Aber am Ende des Bahnparallelwegs hatten wir dann tatsächlich noch Glück und der 11:03 Uhr ab Schierke schnaufte, rauchte, dampfte und ratterte um 11:17 Uhr um die Wendekurve am Eckerloch. Das wurde aber höchste Eisenbahn, denn etwas später hätten wir das Dampflok-Spektakel nicht mehr sehen können. Aber so ganz gesund kann das für den Wald auch nicht sein. Welchen Wald? Jedenfalls konnten wir nach diesem Eisenbahnromantik-Highlight beruhigt unseren Aufstieg zum Brocken fortsetzen. Der Weg am Eckerlochstieg war aber eher ein Bachbett als ein Wanderweg.

Das ist der Gipfel: der Brocken

Trotzdem kamen wir getreu dem Grünes-Band-Wander-Motto „die Höhe ist schnell erreicht“ nach 2 Stunden Wanderung ab Schierke pünktlich zum Mittag um 12 auf dem Brockenplateau an (wie auch einige hundert andere Osterwanderer). Nur, dass es eben kein Mittag gab, der Brocken war eine Versorgungswüste: Die Gaststätte „Der Brockenwirt“ im Bahnhof war heillos überfüllt, der Außenbereich war bei 6°C und Wind auch keine gute Option für Bratwurst mit Pommes, das Brockenhotel hatte samt Touristensaal wegen Betreiberwechsel geschlossen, dass es im Infozentrum Brockenhaus das Café Hexenflug gibt haben wir nicht gewußt (hätte uns vermutlich wegen Andrangs auch nichts gebracht). So mussten Monis Brockenhasen und die Hasenbrote vom Frühstück für den größten Hunger herhalten. Unsere Zuflucht war ein Windfang am Hintereingang des Brockenhauses. Mit ist schleierhaft, wieso der Brocken mit jährlich etwa 2 Millionen Besuchern eines der meistbesuchten touristischen Ziele in Deutschland ist. Der Brocken ist der höchste Berg Norddeutschlands, der windigste Ort Deutschlands (können wir bestätigen), mit 300 Nebeltagen im Jahr der nebligste Berg Deutschlands (aber sonst hat man eine prima 360°-Rundumsicht), der nasseste im nördlichen Mitteleuropa, das Wetter ist mit Island vergleichbar, also ein hervorragendes Ausflugsziel. Touristisch erschlossen wurde der Berg im 18./19. Jahrhundert: erste dokumentierte Besteigung um 1460, 1736 Bau des Wolkenhäuschens als Schutzunterkunft (dieser Schutz wurde allerdings von einigen unserer Wandergruppe abgelehnt, wieso eigentlich?), 1777 bestieg Goethe während seiner Harzreise den Brocken, um 1800 erstes Gasthaus errichtet, 1862 neues Brockenhotel, 1890 Brockengarten, 1899 Brockenbahn, 1936 Fernsehturm, 1937 Naturschutzgebiet Oberharz. Am Ende des 2. Weltkriegs wurde der Brocken von den Amerikanern bombardiert und dann eingenommen, kurz darauf an die Russen übergeben. In den 1950er Jahren blieb der Brocken außer den militärischen Anlagen zugänglich, ab 1955 mit Passierschein. Während der DDR-Zeit ab 1961 wurde der Berggipfel mit einer Betonmauer abgeriegelt und damit für die normale Bevölkerung unzugängliches militärisches Sperrgebiet: Stationierungsort der 7. DDR-Grenzkompanie Schierke und Abhörstation gen Westen des sowjetischen Militärgeheimdienstes GRU. Während der Wende wurde das Sperrgebiet am 3. Dezember 1989 geöffnet, weil etwa 3000 Sternwanderer aus der Umgebung das forderten. Insofern ist es ja schon ein gewisses Erlebnis, dass man überhaupt da hoch laufen (oder brockenbahnfahren) kann. Wir machten noch schnell ein paar Fotos am Brockengipfelstein (mit hochgerechnetem Höhenstrich auf 1142 m) und dann nix wie runter vom ungemütlichsten Berg Norddeutschlands.

Runter vom Brocken nach Bad Harzburg

Unsere Tour führte uns auf der entgegengesetzten Seite zur Brockenstraße auf dem Hirtenstieg (oder Heinrich-Heine-Weg) nach Norden abwärts in Richtung Eckerstausee. Hirten und Heinrich Heine dürften dort als wenigste langgekommen sein, eher DDR-Grenzer, denn es ist ein Kolonnenweg mit Betonlochplatten. Über 4 km geht der ziemlich gerade und gleichmäßig 500 Höhenmeter abwärts (auch kein Spaß): von 1141 m auf 632 m am Frickenplatz beim Scharfenstein. Und, ein Wunder, in diesem abgeschiedenen Waldgebiet am Arsch des früheren Brocken-Grenzgebiets stand auf einer lieblichen Waldlichtung wie eine Fatamorgana die geöffnete Nationalpark-Rangerstation und Rasthütte Am Scharfenstein mit Imbissangebot. Da mussten wir erst mal für Umsatz sorgen. Etwa 1,5 km weiter durch mehr oder weniger entwaldeten Wald kommt man zum Ufer des Eckerstausees mit einigen Aussichtspunkten über den See zum Brocken und nach weiteren 1,5 km standen wir auf der Staumauer der Eckertalsperre an diesem Tag zum ersten und einzigen Mal direkt am Grünen Band der ehemaligen DDR-Grenze. Die ganze Tagestour von Schierke über den Brocken bis zum Eckerstausee lag ja auf ehemaligem DDR-Gebiet meist so 2 km vom tatsächlichen Grenzverlauf östlich entfernt. Im Brockengebiet wurde die Grenze durch das Flüsschen Ecker markiert, ging mittig durch den Eckerstausee und weiter nach Eckertal (Niedersachsen) / Stapelburg (Sachsen-Anhalt). Der Eckerstausee liegt mitten im (Un)Waldgebiet zwischen Brocken und Bad Harzburg (in Niedersachsen). Die Gewichtsstaumauer wurde 1939-43 gebaut (420.000 t). Die Talsperre dient der Trinkwasserversorgung (bis Wolfenbüttel, Braunschweig, Wolfsburg), zum Hochwasserschutz und als Wasserkraftwerk durch die HarzWasserWerke Hildesheim. Für alle Harzer Wandernadler: die Eckertalsperre-Staumauer ist die Stempelstelle Nr. 1. Auf unserer Brockentour hatten wir an diesem Tag das Grüne Band (Harzer Grenzweg) nur auf der Staumauer gekreuzt und sind dann in den Westen rübergemacht, denn unsere nächste Unterkunft war in Bad Harzburg, ein Solebadort in Niedersachsen. Bis zur Eckertalsperre hatten wir ab Schierke etwa 13,5 km Wanderstrecke mit 500 m Auf- und 600 m Abstieg gemacht. Bis nach Harzburg waren es noch mal 6 km durch den Wald an der Waldgaststätte Molkenhaus vorbei. Ich hatte schon bei der Tourplanung gedacht, dass man nach 16 km Wanderung am Molkenhaus einkehren (wäre schön gewesen) und von da aus mit dem Wanderbus 875 „Der grüne Harzer“ nach Bad Harzburg fahren könnte. Das mit dem Molkenhaus hat mangels Zeit nicht geklappt, aber den Bus (ab Waldspielplatz beim Molkenhaus) haben Manu und ich gekriegt. Die anderen Mitläufer wollten die restlichen 3,5 km auch noch abwandern.

Bei Alexandra und Familie Tang in Bad Harzburg

Am Ende sind wir fast gleichzeitig bei unserer Unterkunft im Stadtparkhotel Alexandra in Bad Harzburg angekommen. Das Stadtparkhotel ist ein kleines hübsches historisches Gründerzeit-Haus von 1920, als das Solebaden in Bad Harzburg groß in Mode war. Ende 19./Anfang 20. Jahrhundert war der kleine Ort nämlich sehr angesagt und erlangte den Status eines Weltbades und erhielt Stadtrecht. Inzwischen sind’s in allen Ortsteilen etwa 20.000 Einwohner (2024), in der Innenstadt etwa 10.000. Das einige Zeit ungenutzte Haus des Stadtparkhotels wurde 2017 von Robby Chmiel zusammen mit Alexandra Fricke nach Renovierung neu eröffnet. Die Chefin Alexandra hat das Haus mit vielen Ideen gestaltet. Die 11 Zimmer sind individuell thematisch gestaltet und ausgestattet: Hochzeitszimmer, Blaue Stunde, Rosenreich, Maskerade, Muschelzimmer, Kleines Himmelreich, Lüsterne Träume… Alles ist irgendwie gemütlich, romantisch, historisch-stilvoll, manchmal ein bisschen zu plüschig und mit viel Liebe zum Detail gestaltet. Unser Rosenreich war gottseidank eines der „schlichten“, hell-freundlichen und nicht ganz so üppig ausgeschmückten Zimmer. Dieses relativ kleine, privat geführte Hotel war wirklich ein Glücksgriff. Unbedingt erwähnen muss man das sensationelle Frühstück in den feudalen „Morgenspeise“-Räumen. Am Abend vorher kann man wählen, welche besonderen Wünsche man zusätzlich zu den sowieso schon reichlichen Wurst-, Käse- und Obsttellern man hat. Und am nächsten Morgen steht alles wie im Schlaraffenland an deinem eingedeckten Platz oder wird sogleich frisch serviert – ein Servicetraum (wenn ich im Vergleich dazu an die Brockengastronomie denke…) Aber soweit wars an diesem Abend noch nicht, wir mussten in der gaststättenreichen Fußgängerzone von Bad Harzburg erst noch auf Nahrungssuche gehen. Am Ostersonntagabend ist das mit 8 Leuten ohne Reservierung selbst bei ungefähr 20 Restaurants an der Herzog-Wilhelm-Straße nicht einfach. Obwohl ich erst chinesisch-skeptisch war, haben wir uns dann nach der sechsten Leider-voll-Absage auf einen Runden Tisch im Golden Palast geeinigt. Nicht die schlechteste Idee, wenn großer Hunger auf reichliche Auswahl des All-You-Can-Eat-Buffets von Familie Tang trifft.

Osterwanderung Grünes Band 2026: Harz: Hohegeiß: Thüringer Wandergruppe vor Mikes Fewo (Foto: Schnucki)

03.-06.04.2026 Osterwanderung Grünes Band: Harz (2)

Harz 1 2 3 4

04.04.2026 Hohegeiß – Schierke

Nach dem Frühstück mit Teilchen und Kaffee von Mikes Brötchen- und Kaffee-Laden und einem Thüringer-Wandergruppen-Foto, das „Schnucki“ gemacht hat (den Namen hat Dietrich unserem Mikes-Fewo-Hausmeister gegeben), fing unsere 2. Osterwanderetappe von Hohegeiß nach Schierke bei feucht-frischen 7 °C an. Unser Ziel Schierke liegt eigentlich nur 11 km Luftlinie nördlich, aber an der Grenze entlang läppert es sich dann auf 17 km zusammen.

Grenzdorf Hohegeiß

Erst mal erreicht man am nördlichen Ortsrand von Hohegeiß den Grenz-Imbiss (das war noch zu früh für uns, obwohl, so’n Frühschoppen mit einem Bier „Staatsreserve“, die letzte Rettung, gebraut nach dem Deutschen Einheitsgebot von 1989, aber es war eh noch zu). Der Harzklub Hohegeiß scheint sehr aktiv zu sein, jedenfalls gibt es in der Umgebung viele Wegweiser, Hinweisschilder und Infotafeln, die über Sehenswürdigkeiten, Ereignisse, historische oder landschaftliche Besonderheiten informieren. Das sind oft auffällige gelbe Schilder in Tannenbaumform (Dennert-Tanne) mit kompakten Infos oder auch Schautafeln mit etwas ausführlicheren Hintergrundinformationen z.B. die Grenz-Information am Parkplatz Hohegeiß. Der Kleinert-Stein am Ende des Parkplatzes erinnert eine Grenztragödie: Unter Anteilnahme von etwa 200 West-Besuchern des Grenzparkplatzes wurde am 01.08.1963 150 m entfernt der 23jährige Helmut Kleinert aus Quedlinburg beim Fluchtversuch in den Westen von DDR-Grenzsoldaten erschossen, seine schwangere Frau war bereits vorher festgenommen worden (todesopfer.eiserner-vorhang.de/…) Kurz nach dem Parkplatz wechselte unser Grünes-Band-Weg wieder nach Osten auf den ehemaligen DDR-Kolonnenweg. Rund 2,5 km geht es ziemlich gerade, aber auf und ab Richtung Norden: auf der linken westlichen Seite des Kolonnenwegs ist der ehemals freigeschnittene Grenzstreifen mit 35jährigem Anflugfichtenwald bewachsen, rechts zeugen große Kahlflächen vom Absterben des alten Harzwaldes. Seit 2018 sind durch Wärme, Trockenheit und Borkenkäferbefall etwa 90 % der ehemaligen Fichtenmonokulturen abgestorben. Der Baumbewuchs an der Grenze hat sich zu früher ziemlich umgekehrt.

Zum Freiland-Grenzmuseum Sorge

3,5 km nach dem Start in Hohegeiß kommt man am Kolonnenweg zum „Ring der Erinnerung“, ein Kunstprojekt von 1993 des Landschaftskünstlers Herman Prigann: der ursprüngliche kreisrunde Wall von aufgeschichteten Totholzstämmen (70 m Durchmesser) mitten im ehemaligen kahlen Grenzstreifen ist inzwischen ringförmig mit Bäumen überwachsen. Der natürliche Bewuchs soll die Vergänglichkeit künstlicher Grenzen und das Zusammenwachsen der beiden deutschen Staaten symbolisieren. Das Kunstwerk gehört zum Freiland-Grenzmuseum Sorge: der Verein Grenzmuseum Sorge e.V. hat neben einem kleinen Museum im ehemaligen Bahnhof Sorge die sogenannte Grenzlandschaft: das sind die originalen ehemaligen Grenzanlagen der DDR als Zeitzeugnisse: ein Grenz- und Signalzaun mit Hundelaufbahn und Beobachtungsbunkern zu Beginn der 500-m-Grenzzone gleich hinter dem Grenzort Sorge und ein weiterer Sperr-Signalzaun mit Selbstschussanlagen (wurden Gottseidank abgebaut), B9-Beobachtungsturm (Betonturm 2 x 2 m Querschnitt, 9 m Höhe), Kolonnenweg, sichtfrei gehaltener Grenzstreifen, umgepflügter und geeggter Spurenkontrollstreifen, Grenztore und Grenzpfähle direkt an der ehemaligen Grenze. Die schwarz-rot-gelb gestreiften Grenzpfähle mit DDR-Emblem markieren den tatsächlichen Grenzverlauf, zuerst in etwa 1 m Abstand zur Grenze gesetzt, wegen fortwährender Beschädigungen später auf 5 – 10 m ins ehemalige DDR-Gebiet zurückversetzt. Wir haben nur den Grenzmuseumsbereich direkt am Grenz-Kolonnenweg gesehen, denn unsere Grünes-Band-Wanderroute ging nicht über Sorge, sondern entlang der Grenze nach Norden zum Gebirgsbach Warme Bode. Das Grenzflüsschen kann man auf einer Behelfsbrücke aus Grenzzaunelementen überqueren, auf der anderen Seite der Hochharzstraße B242 (die zu DDR-Zeiten natürlich abgeriegelt war) geht der Grenzweg parallel zur Warmen Bode weiter bergauf nach Norden.

In den Hochharz: an den Grenzflüssen Warme Bode und Bremke

Etwa 1 km oberhalb der Fluss- und Straßenquerung haben wir einen Aufforstungstrupp getroffen: das waren 4-5 Leute der Firma Gvema aus Litauen. Der junge Chef des Trupps Robert Salvinskij sagte (glaub ich), dass sie in diesem Jahr 400 000 Bäumchen diesseits der Warmen Bode und 200 000 auf der anderen Seite pflanzen. Moni hat sich natürlich nicht nehmen lassen, selbst ein Bäumchen zu pflanzen und den Robert auszufragen, der aber sehr freundlich Auskunft gegeben hat. Was man im Web so alles erfährt: Robert Salvinskij kommt aus Vilnius und hatte im Juli 2025 Violeta Ostapenko (jetzt Salvinska) geheiratet – und jetzt schon wieder auf Pflanztour in Deutschland. Die großflächig abgestorbenen Fichtenbestände des Hochharzes werden außer im Nationalpark mit klimatisch widerstandsfähigeren Mischwaldarten aufgeforstet. Im Nationalpark Harz (der auf unserer Route hinter Schierke beginnt) werden die Flächen nicht forstwirtschaftlich bearbeitet (außer wenn Gefahren auf Wegen durch umstürzende Bäume drohen), sondern der Wald bleibt sich selbst überlassen nach dem Naturparkmotto „Natur Natur sein lassen“. Dadurch soll eine natürliche, artenreiche neue Wildnis entstehen. Bis dahin bleibt alles so stehen und liegen wie es will, auch wenn’s wehtut. Nachdem wir auch ein bisschen die Welt gerettet hatten, ging unsere Tour weiter nach Norden Richtung Wurmberg, der gleich neben der Grenze in Niedersachsen liegt. Die Gegenden heißen hier sehr poetisch Kuxlöcher, Goldhof, Buchhaufen, Doktorkopf oder Hohe Wurzel. Irgendwann zweigt die Warme Bode nach Westen in Richtung Braunlage ab und die Grenze geht an einem Nebenbach weiter nord- und aufwärts: im Bremke-Tal. Auf 4,7 km Länge steigt das Bachbett (und damit der Grenzweg) von 513 m bei der Mündung bis auf 805 m an der Quelle zwischen Wurm- (971 m, Niedersachsen) und Kleinem Winterberg (837 m, Sachsen-Anhalt) an. Von der harten Baumpflanzarbeit hatten wir inzwischen Hunger bekommen (ich sogar schon vom bloßen Zugucken). Die Rettung in Form des Cafés Silberfuchsfarm erwies sich als schon jahrelang geschlossen und Bänke/Picknickplätze waren an diesem Grenzabschnitt nicht vorgesehen. Da blieb nichts anderes übrig als ein Schotterpicknick am Wegrand.

Vom Kaffeehorst am Wurmberg zur Jugendherberge in Schierke

Nach weiterem Aufstieg auf dem Kolonnenweg hatten wir am Fuß des Wurmbergs den Picknickplatz Kaffeehorst erreicht (zu spät für uns). Weil wir zur Jugendherberge in Schierke wollten, zweigte unser Weg hier vom Grünen Band nach Osten ab (Schierke liegt etwa 3,5 km Luftlinie nordöstlich vom Wurmberg im Tal der Kalten Bode). Über Kramershai und Ulmer Weg (führt nach Elend) erreicht man die inzwischen entwaldete Hochfläche südlich von Schierke mit Panoramaausblicken zum Wurmberg, Großer Winterberg und Brocken. Am Gegenhang des Brockens zog die Brockenbahn ihre Rauchfahne durch den gelichteten Wald. In der Nähe der Schestorklippen (694 m) am Barenberg zweigt unser Braunlager Weg wieder in Richtung Norden nach Schierke ab. An der Mäuseklippe vorbei erreichten wir das Bergdorf Schierke nach rund 17 km Weg an der Brücke der Alten Dorfstraße über die Kalte Bode. Der Luftkurort Schierke (etwa 500 Einwohner) ist ein Ortsteil von Wernigerode (Sachsen-Anhalt), liegt im Tal der Kalten Bode auf 600 bis 650 m Höhe in einer Sackgasse als letzter Ort vor dem Brocken (und der ehemaligen DDR-Grenze). Der Ort zieht sich ganz schön lang über 2 km durch das Tal bergauf: die Jugendherberge liegt am nordwestlichen Ortsrand ziemlich zuletzt am Waldrand. Unterwegs hatten wir an der alten Apotheke „Zum Roten Fingerhut“ auf den letzten Drücker ein paar Fläschchen des alten Heiltrunks Schierker Feuerstein erwerben können (gabs leider nicht auf Rezept). Im Schierker-Feuerstein-Stammhaus erfand der Apotheker Willy Drube 1908 den Kräuter-Halb-Bitter Schierker Feuerstein (benannt nach dem Wahrzeichen von Schierke, der Feuersteinklippe im Wald in der Nähe des Bahnhofs, etwa 1,5 km außerhalb des Ortes). Das Rezept aus Kräutern und Wurzeln + Weingeist ist bis heute ein Familiengeheimnis in der 5. Generation, die Kräuteraufbereitung ist immer noch im Stammhaus, die Produktion und Abfüllung in Bad Lauterberg. Willy Grubes Grabstein-Spruch: „In dieser Erdengrube ruht Apotheker Drube. Oh Wanderer, eile fort von hier, sonst kommt er raus und trinkt mit Dir!“ Lange haben wir uns aber mit den Schierker-Feuerstein-Fläschchen nicht aufgehalten, das waren nur homöopathische Dosen. Unsere Unterkunft hatten wir als Senioren-Wandergruppe in der Jugendherberge Schierke mit Manuela als Erziehungsberechtigte. Die höchstgelegene Jugendherberge (676 m) Sachsen-Anhalts liegt ganz hinten am Ortsrand an der Brockenstraße. Ursprünglich wurde der 1970er-Jahre Neubaublock 1977 als NVA-Erholungsheim „An der Bode“ direkt am Grenzgebiet eröffnet. Nach der Wende 1989 wurde das Haus grundlegend umgebaut und 1999 als moderne Jugendherberge wiedereröffnet: Es gibt 298 Betten in 74 Zimmern, Billard, Kegelbahn, Sporthalle – ziemlich gut ausgestattet. Beim Essen konnten wir noch feststellen, dass wir das Durchschnittsalter nicht wesentlich noch oben getrieben haben, aber vielleicht kam die Jugend ja auch später. Abendprogramm: Während Manu und Dietrich noch Spaß am Osterfeuer im Schierker Stadtpark hatten, waren die Volleyballfans unter uns dank Peters Dyn-Abo livegestreamt beim sensationellen Heimsieg des VfB Suhl gegen den SC Schwerin im 1. Halbfinalspiel zur Deutschen Volleyball-Meisterschaft der Frauen dabei. Gut, dass wir ein paar Feierbiere dabei hatten und den Schierker Feierstein aus der Alten Apotheke.

Kleiner Buchtipp: Isabel Fargo Cole: Die grüne Grenze

Sehr interessante Beiträge zum Thema Harz, Grenze, Brocken, Hohegeiß, Sorge und Elend gibts im Web bei: diegruenegrenze.blog/… (ein Roman von 2017 der US-amerikanischen Schriftstellerin Isabel Fargo Cole, lebt in Berlin).

Osterwanderung Grünes Band 2026: Harz: Start am Kloster Walkenried (Foto: Andreas Kuhrt)

03.-06.04.2026 Osterwanderung Grünes Band: Harz

Harz 1 2 3 4

Über Ostern 2026 setzten wir unsere Wanderung am Grünen Band (ehemalige Grenze DDR/BRD) vom Endpunkt der Vorjahresetappe am Kloster Walkenried fort. Wir waren wieder 4 Wanderpaare = 8 „Stammwanderer“ aus Suhl, Ilmenau und Arnstadt. Die drei Etappen führten dies mal durch den Hochharz: Walkenried – Hohegeiß – Schierke – Brocken – Bad Harzburg + eine Rundwanderung zur Rabenklippe bei Bad Harzburg.

Eigentlich wollten wir ja bei dieser Osterwanderung auf dem Brocken übernachten mit Etappen nach Sorge, Brocken und Eckertal (wie im Wanderführer „Grünes Band – der Norden“ von Anne Heartel). Die Übernachtung im Brockenhaus war knapp ein Jahr vorher gebucht und bestätigt. Da hatten wir die Rechnung aber ohne den Brockenwirt gemacht, denn der hat Ende 2025 bekanntgegeben, das Brockenhotel ab 2026 nicht weiterzubetreiben. Der neue Betreiber Timberjacks aus Göttingen will das Hotel nach Umbau erst 2027 als „Brocken Mountain Lodge“ (ich stelle mir diese „Berghütte“ dann wie am Kilimandscharo vor) wiedereröffnen. Damit war unsere Brocken-Übernachtung am 04. April geplatzt und wir mussten alle Unterkünfte mit annehmbaren Wanderetappen neu planen. Unsere neuen Unterkünfte waren: Mikes Fewo in Hohegeiß, Jugendherberge in Schierke und Stadtparkhotel Alexandra in Bad Harzburg, alle halbwegs preiswert und gut ausgestattet.

03.04.2026 Kloster Walkenried – Hohegeiß

Unsere erste Wanderetappe führte deshalb von Walkenried nach Hohegeiß, ein kleines Bergdorf (Ortsteil von Braunlage, etwa 850 Einwohner, auf 620 m Höhe) in Niedersachsen direkt an der ehemaligen DDR-Grenze, jetzt Landesgrenze nach Sachsen-Anhalt. Der Parkplatz am Klosterweg beim Kloster Walkenried (Wanderstart auf 268 m Höhe) ist für die Wanderung am Grünen Band (hier auch Harzer Grenzweg genannt) ein guter Ausgangspunkt: gut ausgebaut, keine Gebühren oder Beschränkungen, direkt am Einstiegspunkt zur Tour. Die Anfahrt für unsere Grünes-Band-Osterwanderungen dauern inzwischen mit zunehmender Entfernung von Suhl natürlich immer länger: mit dem Auto von Suhl nach Walkenried etwa 2 h (160 km), eine Fahrt mit öffentlichen Verkehrsmitteln dauert etwa 3,5 h (+ 1 km zusätzlicher Weg vom Bahnhof) und war deshalb keine annehmbare Alternative.

Osterwanderstart beim Kloster Walkenried

Nach der Verteilung der Osterdeko für die Rucksäcke und einen Blick auf die Ruine der Klosterkirche Walkenried gings kurz nach 10 Uhr los: ein 1,8 km kurzer Zuweg führt durch Wald und Felder zur Rotbuche an der ehemaligen DDR/BRD-Grenze zwischen Walkenried (Niedersachsen) und Ellrich (Thüringen). Der kleine Grenzübergang an dieser Stelle für Fußgänger, Autos und Güterzüge wurde am 11.11.1989 geöffnet. Daran erinnert eine damals gepflanzte Rotbuche, ein Gedenkstein zum 20. Rotbuchenfest 2009, ein übrig gebliebener DDR-Grenzpfahl, ein Info-Pavillon mit Schautafeln und natürlich die obligatorischen Grenzöffnungstafeln (bei denen sich inzwischen ein Grenzöffnungsdatumratewettbewerb etabliert hat). 200 m vor der Grenz-Rotbuche trifft man auf Thüringer Gebiet auf den Beton-Lochplatten-Kolonnenweg der DDR-Grenzer, ein Wahrzeichen, dass man auf dem richtigen Grenzweg am Grünen Band ist und ein Fluch für Wanderer und Radfahrer. Dieser Kolonnenweg begleitet auf ehemaligem DDR-Gebiet die gesamte Grenze und diente der Grenzkontrolle und Zugriff durch die Grenzsoldaten mit NVA-Fahrzeugen wie IFA P3, Trabant Kübel, Wartburg Kombi, MZ-Motorräder, Barkas, Robur und W 50. Zum Wandern oder Radfahren sind die umknickgefährlichen und rumpelnden Lochplatten alles andere als ideal, aber für Grenzwanderungen waren sie ja auch nicht vorgesehen. Trotzdem gefallen mir die Lochplatten eigentlich ganz gut, weil man weniger Betoneindruck und mehr Natur-Illusion durch den Bewuchs hat und manchmal kleine Blumenbeete darin entdecken kann.

Kolonnenweg bei Ellrich bis zur Wendeleiche

Der Harzer Grenzweg bei Ellrich ist erst mal ziemlich eben bis er nach dem Flüsschen Zorge (auf ca. 300 m Höhe) im Wald zum Spitzen Winkel (Kolonnenweg-Abzweig) in Richtung Großer Staufenberg (554 m) langsam ansteigt. Weil wir eine Schutzhütte fürs Mittagspicknick gesucht hatten, haben wir den Kolonnenweg im Ellricher Stadtwald verlassen, sind 300 m nach Niedersachsen rübergemacht und haben es uns in der Stiefmutter-Hütte mit Aussicht auf die Hundertmorgenwiese gemütlich gemacht. Bisher hatten wir auf dem Grünen Band keinen anderen Wanderer getroffen, aber in der Stiefmutter-Hütte ist die Stempelstelle 164 Stiefmutter der Harzer Wandernadel. Und diese Stempelstellen scheinen Wanderer und Biker magisch anzuziehen wie das Licht die Motten, zum Leidwesen von Peter, der unter dem Stempelkasten saß und für 4 oder 5 Stempler den Kopf einziehen musste. Nach einem ersten/zweiten Ostereierlikörchen gings weiter bergauf zur Wendel-Eiche, die direkt auf der Grenze zwischen Niedersachsen und Thüringen in 586 m Höhe liegt (mit HWN-Stempelstelle 165). Das ist keine Leiche aus Wendezeiten, sondern eine inzwischen abgestorbene und entwurzelte früher mal 19 m hohe Traubeneiche, an deren Stamm 1901 eine Eisen-Wendeltreppe zu einer Aussichtsplattform in der Baukrone gebaut wurde. Mit Blick zum Brocken und in das Südharzvorland war die Wendel-Eiche früher einer der beliebtesten Aussichtspunkte der Gegend. Während der DDR-Zeit waren Wander-Aussichtspunkte an der Grenze aber eher sinnlos, so dass die Eisenkonstruktion bis auf einen Spiralrest abgebaut wurde und nun ist das daniederliegende Baumskelett doch eine Art Baumleiche. Etwas neben der Wendel-Eiche gibts nun einen Brockenblick durch eine Waldschneise zum Wurmberg und Brocken in knapp 20 km Entfernung.

Von der Wendeleiche nach Hohegeiß

Direkt auf der ehemaligen DDR-Grenze geht es wieder bergab zum Ehrenplan (Wiese mit Schutzhütte, 562 m) und natürlich wieder bergauf zum Großen Ehrenberg (634 m). Der wirklich sehr steile Anstieg auf dem Kolonnenweg wird rechts auf dem moderater ansteigenden Ihlfelder Stieg umgangen (der tatsächliche Grenzverlauf nimmt meist auf topografische Hindernisse keine Rücksicht). Nach dem Großen Ehrenberg kommt man bald wieder auf den Kolonnenweg und nach insgesamt 13 km Strecke zum Dreiländerstein (579 m) an der Verbindungsstraße Hohegeiß (Niedersachsen) – Rothesütte (Thüringen). Der Grenzstein wurde 1750 gesetzt zwischen: Herzogtum Braunschweig (HB), Amt Benneckenstein (AB), wurde später umgepickert zu Königreich Preußen (KP) und Gräflich-Wernigeröder Forstgebiet (GW). Jetzt markiert der Stein das Dreiländereck Niedersachsen/Thüringen/Sachsen-Anhalt. Damit hatten wir am Dreiländerstein das Thüringer Gebiet verlassen und sind auf unserer Wanderung nach Sachsen-Anhalt kommen. Ab dem Dreiländerstein (hier gibt’s auch eine Sonderstempelstelle der Harzer Wandernadel) steigt der Kolonnenweg in welligem Auf und Ab über 4 km bis auf 625 m Höhe in Hohegeiß. Neben dem Grenzweg verläuft die Straße B4 und man gewinnt erste einprägsame Eindrücke vom Fichtenwaldsterben im Harz – eine Art Ruhewald, nur, dass hier der Wald selbst gestorben ist.

Hohegeiß

Das Bergdorf Hohegeiß kam mir ein bisschen abgehängt vor. Immerhin gibt’s ein Kur- und Messehaus Panoramic (im Hochhausstil), einige Hotels, Pensionen und Ferienwohnungen, die ansehnliche Holzkirche Zur Himmelspforte (1704), das heimelig-üppig dekorierte Antjes Blumen-Café (Antje Splieth sagte allerdings, dass sie das Café ab September 2026 nach 16 Jahren schließen will, um noch mal was anderes machen zu können) und das Landhaus Bei Wolfgang (Renate und Friedrich Backes) mit mediterranen und deutschen Spezialitäten (gemütlich, sehr freundlich-verbindlich, Spezialitätenpreise, Stammkunden, Vorbestellung ratsam). Unsere zwei Mikes Ferienwohnungen für 8 Personen waren groß, gut ausgestattet und preiswert. Im selben Haus betreibt Mike einen Brötchen- und Kaffeeladen, z.B. fürs Frühstück.

Grünes Band Thüringen 2022: Morgens bei Geisa (Foto: Andreas Kuhrt)

Osterwanderung Grünes Band Thüringen 2022

Über Ostern 2022 haben wir unsere Wanderung entlang des Grünen Bandes Thüringen fortgesetzt: von Walkes nach Gerstungen durch die Thüringer Rhön, eine Strecke von 100 km in 5 Tagen.

Donnerstag, 14.04.2022: Walkes – Geisa

2021 hatten wir unsere Osterwanderung bei Seeleshof beendet, ein 1974 geschleifter Gutshof im ehemaligen DDR-Grenzgebiet zu Hessen zwischen Walkes (Thüringen) und Habel (Hessen). Unsere 2022-Osterwanderung haben wir 1 km weiter südwestlich in Walkes begonnen, ein kleines Dorf (etwa 60 Einwohner) im westlichsten Thüringer Zipfel nach Hessen. Die Gegend ist wirklich sehr abgelegen und mit Bahn/Bus von Suhl aus nur sehr umständlich zu erreichen, so dass wir uns die 70 km mit dem Auto haben hinbringen lassen. Walkes liegt etwa 1 km vom Grünen-Band-Wanderweg an der ehemaligen Staatsgrenze der DDR entfernt. Wir sind auf einem Feldweg zwischen Rinderkoppeln zum Tannenberg-Seelesberg (Naturschutzgebiet seit 1990) aufgestiegen. Auf der Höhe trifft man auf den Kolonnenweg entlang der Grenze, dem das Grüne Band meistens folgt. Der Kolonnenweg (für die Kontrollfahrten der Grenzsoldaten) besteht oft aus Beton-Gitterplatten, die wegen der Löcher blöd zu laufen sind (man sucht sich meist Trampelpfade daneben), aber mit den durchwachsenden Pflanzen auch hübsch aussehen: wie kleine Beete, wenn frische Grasbüschel oder Veilchen herausgucken. Nach 2 km um den Tannenberg-Seelesberg herum kommt man zum Ahornplatz, eine rustikal möblierte Waldlichtung (gut für ein Picknick) direkt auf der Grenze zwischen Walkes (Thüringen) und Obernüst (Hessen). Hier gibts einen Gedenkstein zur Grenzöffnung im November 1989. Unser nächstes Ziel war das Hohe Kreuz auf dem Rößberg (640 m, liegt etwas abseits vom Grünen Band) bei Ketten, ein toller Aussichtspunkt zur Thüringer Kuppenrhön im Ulstertal. Der nächste Abstecher vom Grünen Band führte uns nach Reinhards: 23 Einwohner, 5 Häuser, 5 Höfe (einer davon: Wassermannshof für Ferien auf dem Bauernhof), 2 Marienfiguren, eine Kapelle, ein Brunnen, eine Bushaltestelle. Reinhards ist der westlichste Ort Thüringens (früher der westlichste der DDR). Neben Hunden, Katzen und Hühnern haben wir in Reinhards auch einen Grünes-Band-Wanderer getroffen, ich glaub, den einzigen bisher. An der Wegkreuz- und Marienfiguren-Dichte erkennt man deutlich die katholische Prägung des Geisaer Landes (alle Orte im Umkreis gehören als Ortsteile zu Geisa). Etwas außerhalb von Reinhards ist die Kapelle Mariä Heimsuchung mit dem Wegkreuz davor ganz interessant, 1853 von der Familie Wassermann gestiftet. Ab dem Grenzknick bei Reinhards wendet sich der Wanderweg auf dem Grünen Band nach Norden. Der Kolonnenweg führt durch den Wald im Naturschutzgebiet Teufelsberg-Pietzelstein (auch 1990 eingerichtet). Am Geisbach bei Geismar kommt man wieder in offenes Feld-und-Wiesen-Gelände. Dort steht auch noch ein ehemaliger Grenzwachturm. Der hessische Rhön-Ort Setzelbach reicht direkt bis an die Thüringer Grenze ran. Inzwischen wars beim Wanderkilometer 20 halb Sieben, wir hatten Hunger und es war kein Gasthaus in Sicht. Es gab die Alternativen, den Grenzbogen bei Wiesenfeld auszulaufen (da gibts über die nächsten Kilometer keinen Ort) oder nach Rasdorf (in Hessen) oder nach Geisa (in Thüringen) zu gehen. Wir haben uns für Geisa über Wiesenfeld entschieden. In Geisa war am Freitag vor Ostern aber auch irgendwie tote Hose: die Geisschänke, Linde und Goldener Stern waren geschlossen. Unsere Rettung war die Pizzeria Zur Krone. Nachts um 9 haben wir dann noch ein Zeltplätzchen bei Geisa in Richtung Point Alpha gefunden.

Karfreitag, 15.04.2022: Geisa – Point Alpha – Unterbreizbach

Am nächsten Tag hatten wir einen tollen Sonnenmorgen über Geisa und dem Ulstertal. Von unserem Camp am Picknickplatz am Waldrand waren es nur 700 m den Rasdorfer Berg hoch zum Haus auf der Grenze der Gedenkstätte Point Alpha. Zwischen Geisa (Thüringen) und Rasdorf (Hessen) war zur DDR-Zeit der von den DDR-Grenzern streng bewachte und vom Bundesgrenzschutz und US-Amerikanern beargwöhnte westlichste Grenzabschnitt zwischen der DDR (Warschauer Pakt) und der BRD (NATO). Nach dem Anfang der 1950er Jahre eingerichteten US-amerikanische Beobachtungsposten heißt die Grenz-Gedenkstätte Point Alpha. Dort gibt es eine Ausstellung im Haus auf der Grenze, den ehemaligen US-amerikanischen Stützpunkt Point Alpha, Teile der originalen und rekonstruierte Grenzanlagen und den Weg der Hoffnung. Das ist ein 1,5 km langer Kreuzweg entlang des Kolonnenweges an der Grenze mit 14 Stationen mit großen Stahlskulpturen des Weimarer Metallkünstlers Ulrich Barnickel. Diese Figuren/-gruppen setzen den biblischen Leidensweg von Jesus in Beziehung zur ehemaligen lebensgefährlichen Grenze. Die Figuren sind aus Stahlteilen zusammengefügt, teils figürlich-naturalistisch, teils abstrakt-symbolisch gestaltet, aber immer ausdrucksstark einprägsam. Beim Haus auf der Grenze gibts noch eine Frieden-Peace-Мир-Windinstallation, die im Zusammenhang mit dem russischen Krieg in der Ukraine wieder eine ganz aktuelle Bedeutung bekam. Ganz hinten, hinter dem Point-Alpha-Gelände wurde im Jahr 2000 ein Denkmal der deutschen Teilung und Wiedervereinigung aufgestellt (von Holzbildhauer-Schülern der Schnitzschule Empfertshausen gestaltet). Irgendwie finde ich die ganze Point-Alpha-Gedenkstätte schon interessant aber ziemlich zusammengewürfelt. Noch mal 200 m weiter auf dem ehemaligen Kolonnenweg klärt eine Infotafel über den Fischerhof auf: der ehemalige Bauernhof der Familie Fischer wurde Mitte des 19. Jahrhunderts gebaut und seit den 1930er Jahren von der Familie Sitzmann/Bednarek bewohnt. Nach 1945 lag der Hof im Grenzgebiet bei Geisa (etwa 120 m von der Grenze entfernt). Bevor die Bewohner im Zuge der DDR-Zwangsumsiedelungs-Aktion Grenze/Ungeziefer 1952 ihren Hof verlassen sollten, sind sie in den Westen gegangen. Der Hof wurde 1954 abgerissen.

Nach der Wüstung Fischerhof verläuft der Grünes-Band-Wanderweg weiter auf dem ehemaligen Kolonnenweg entlang der Grenzschneise im Wald in Richtung Norden zwischen Grüsselbach (Hessen) und Borsch (Thüringen). Hinter Borsch in Richtung Buttlar kommt man auf freies Feld und bald an die Straße B84 zwischen Buttlar und Rasdorf, die auf der Route des wichtigen historischen Handels- und Pilgerweges Via Regia zwischen Frankfurt/Main und Erfurt bis Leipzig verläuft (auch Frankfurter Straße genannt). Während der DDR-Zeit war die Grenze nach Hessen hier geschlossen, direkt an der Straße steht ein ehemaliger Grenzwachturm. Hier haben wir unsere Osterwanderungs-Mitläufer Silke und Uli getroffen, die uns auf der weiteren Strecke bis Gerstungen begleiteten. Der Kolonnenweg führt nach der B84 auf den Standorfsberg (386 m, Naturschutzgebiet). Von der Höhe geht der Kolonnenweg im steilsten Abschnitt der ehemaligen Westgrenze der DDR etwa 120 Höhenmeter abwärts ins Tal des Taft-Baches. Nach rechts wären es auf dem Gänseweg etwa 700 m nach Wenigentaft. Aber der Grenzweg geht nach links auf und um den Buchenberg (Bückenberg, 375 m) und kommt nach 4,7 km von der anderen Seite nach Wenigentaft. Kurios ist dabei ein etwa 20 m langer leichter Abstieg an der „Buchenberg-Nordwand“, der mit Drahtseilen „gesichert“ ist. Der alte Ort Wenigentaft (815 erstmals erwähnt, jetzt etwa 300 Einwohner) lag zu DDR-Zeiten fast völlig isoliert im Grenzsperrgebiet: die Verbindungen nach Hessen wurden gekappt, die Ziegelei abgerissen, die Ulstertalbahn stillgelegt und abgebaut. Interessant ist die Kirche St. Georg (der Drachentöter ist das Wahrzeichen von Wenigentaft), 1930 anstelle eines Vorgängerbaus aus dem 15. Jahrhundert errichtet, die für eine katholische Kirche erstaunlich schlicht und licht gestaltet wurde. Das Gasthaus „Zum Weißen Roß“ war am Karfreitag leider geschlossen (bei Öffnungszeiten Di + Fr 17-19 Uhr, Sa 10-18 Uhr ist es eh Glückssache, rein zu kommen). Also gingen wir gleich weiter: das Grüne Band folgt hinter Wenigentaft nicht dem Kolonnenweg, der um den sog. „Ulstersack“ (die hessischen Ulsterwiesen bei Mansbach) herumgeht, sondern geht auf dem Ulstertal-Radweg entlang der Trasse der ehemaligen Ulstertalbahn durch hessisches Gebiet. Während die Gleise der Ulstertalbahn auf Thüringer Gebiet nach der Stilllegung 1952 als Reparationsleistung für die Sowjetunion abgebaut wurden, liegen sie auf hessischem Gebiet teilweise noch im Wald. Nach diesem Abschnitt folgt das Grüne Band eigentlich wieder dem Kolonnenweg in den Wald Überm Haberts bis zur Salzbergbau-Abraumhalde bei Philippsthal/Unterbreizbach. Auf über 6 km eintönigen Waldweg hatten wir aber keine Lust und sind deshalb weiter auf dem Ulstertal-Radweg Richtung Pferdsdorf gewandert. An der Rasthütte am Teich kann man gut eine Pause einlegen. Man kommt am ehemaligen Bahnhof Pferdsdorf/Rhön (jetzt ein Wohnhaus) der Ulstertalbahn vorbei. Auf der alten Bahntrasse führt der Ulstertal-Radweg westlich der Ulster bis Unterbreizbach. In Unterbreizbach steht das letzte produzierende Kaliwerk in Thüringen. Es gehört mit den ehemals selbständigen Werken Wintershall (Heringen/Hessen) und Hattorf (bei Philippsthal/Hessen) und dem Erlebnis-Bergwerk Merkers (Thüringen) zum Werksverbund Werra des Düngemittel-Konzerns K+S Minerals and Agriculture GmbH. Das Kaliwerk in Unterbreizbach wurde 1910 mit der Teufung des Salzbergwerk-Schachtes Sachsen-Weimar gegründet. Das verbundene Untertage-Abbaugebiet des Werra-Reviers entspricht inzwischen der Größe von München (etwa 20 km Durchmesser), es werden etwa 20 Millionen Tonnen Rohsalz jährlich abgebaut, das Werk hat insgesamt etwa 4400 Beschäftigte. Salzbergbau und Kaliproduktion bestimmen seit gut 100 Jahren die Wirtschaft dieser Region. Seit 1910 gibts auch das Bergmanns-Gasthaus „Zur Erholung“ (gegründet als „Gast- und Logierhaus Pforr“ der Wirts-Uroma Rosa Pforr), wo wir mit Bier, Schnitzel und Heizstrahler verwöhnt wurden. Nach dem Abendessen haben wir uns an der Schönen Aussicht am Ulstertal-Radweg oberhalb von Unterbreizbach einen Zeltplatz für eine Nacht gesucht.

Sonnabend, 16.04.2022: Unterbreizbach – Vacha – Leimbach

Gut, dass nahe bei unserem Camp eine Art Schutzwagen stand (wie eine Schutzhütte, nur als Anhänger), denn der Morgen auf der Höhe beim Hobholz war sehr kalt und windig. Von unserem Camp zur Salzhalde Hattorf waren es nur 650 m Weg, wo wir direkt am Fuß des Salzbergs den Kolonnenweg im Wald wieder fanden. Allerdings verschwinden die ehemalige Grenze und der Kolonnenweg gleich wieder, weil sie inzwischen zugeschüttet wurden. Der Salzberg (nicht zu verwechseln mit dem Obersalzberg) ist der aufgeschüttete Steinsalz-Abraum, der beim unterirdischen Salzabbau in den umliegenden Schächten anfällt. Genutzt wird hauptsächlich das Kalisalz, das in einem aufwändigen Produktionsprozess vom Steinsalz getrennt wird, das übrig bleibende verunreinigte Steinsalz und Salzlaugen (etwa 70 % des Rohsalzes) können bisher nicht gewinnbringend verarbeitet werden. Die Salzberge wurde schon seit Beginn des Abbaus aufgeschüttet: Die Halde Hattorf (zwischen Philippsthal und Unterbreizbach) ist etwa 1,5 km lang, 600 m breit und 190 m hoch, rund 200 Mio. Tonnen Abraum, seit 2018 wurde auf der Rückseite eine Haldenerweiterung aufgeschüttet. Das Grüne Band führt in etwa 100 m Entfernung entlang des südöstlichen Haldenrandes bis fast zum Eingangstor zum Betriebsgelände an deren Ende (der Salzberg ist eingezäunt und für Unbefugte nicht zugänglich). Der Grenzweg führt um die sog. Köthenäcker und steigt dann etwas unübersichtlich zur Landstraße zwischen Philippsthal-Röhringshof (Hessen) und Unterbreizbach (Thüringen) ab. Über eine Wiese haben kommt man zu einer Brücke über die Ulster und erreicht wieder den Ulstertal-Radweg, nach 500 m erreicht man die Grenze zwischen Hessen und Thüringen an einer Bahnunterführung. Hier zweigt der ehemalige Kolonnenweg nach links (Osten) vom Radweg ab und steigt auf den Lohberg. Auf der Höhe hat man einen tollen Panoramablick zurück nach Unterbreizbach vom Ulsterberg bis zur Salzhalde. Über den Lohberg führt der Unterbreizbacher Weg nach Vacha, dem Thüringer Grenzort an der Werra. Die älteste Stadt Westthüringens (jetzt etwa 5000 Einwohner) mit gut erhaltenem historischem Ortskern im hessischen Fachwerkstil wurde im 12. Jahrhundert erstmals erwähnt. Teile von Kirche, Burg, Stadtmauer, Münze und Kemenate stammen noch aus dem 12. Jahrhundert, die Fachwerkhäuser am Markt meist aus dem 15.-17. Jahrhundert, die ältesten im Wartburgkreis. Vacha entstand an einer Werra-Furt des bedeutenden historischen Handelsweges Hohe Straße/Via Regia (Frankfurt/Main – Erfurt – Leipzig), die wichtige Werrabrücke wurde in einer Urkunde von 1186 erstmals erwähnt. Die Burg Wendelstein diente zur Sicherung der Werrabrücke. Mindestens seit 1346 gab es eine Steinbrücke in zwei Teilen, 1603 wurde sie als durchgängige Brücke ausgebaut. 1945 wurden zwei Brückenbögen zur Behinderung des Vormarsches der US-Armee gesprengt, 1951-52 wieder aufgebaut. Während der DDR-Zeit lag Vacha vollständig im Sperrgebiet, Zutritt nur für Einwohner oder mit Passierschein. Unmittelbar neben der Brück verlief die DDR-Grenze zu Hessen/BRD. Die Werrabrücke war nicht zugänglich, wurde nach Westen mit einem Grenzzaun versehen, am Brückenkopf stand ein Wachturm, die Enden waren nach Hessen mit Betonmauern abgeriegelt. In der Nacht vom 11. zum 12.11.1989 wurde die Grenze und damit auch die Werrabrücke bei Vacha geöffnet, seit der Deutschen Vereinigung am 03.10.1990 wird sie auch „Brücke der Einheit“ genannt. 1993/94 wurde die historische Werrabrücke Vacha als Fußgänger- und Fahrradbrücke umfangreich instand gesetzt und denkmalgerecht saniert. Über dieses historische, bedeutende Bauwerk verläuft natürlich auch unser Weg auf dem Grünen Band. Wir sind am Brückenende aber nichts rechts zum Kolonnenweg bei Oberzella abgebogen, sondern nach links zum Philippsthaler Weidenhainer Bergpark, ein ehemaliger englischer Naturpark des Landgrafen Ernst Constantin zu Hessen-Philippsthal, der mit der Zeit verwildert ist. Der Parkweg führt von der Werra (etwa 220 m) auf den Siechenberg (365 m): schöner Ausblick zurück Richtung Rhön, Öchsen und Vacha. Nach der Thüringer Hütte führt der Waldweg Hohe Straße/Diebspfad direkt auf der hessisch-thüringischen Grenze parallel zum Kolonnenweg etwa 5 km durch den Wald. Das war ziemlich eintönig, das größte Highlight dieses Abschnitts ist der Schwarze Stock, eine Rasthütte mit Wegweiser, im Mittelalter eine markante Wegkreuzung mit Bildstöcken an der Grenze zwischen fuldischem (Heringen) und hersfeldischem (Kloster Kreuzberg) Gebiet. Am Sauberg (368 m) sind wir dann wieder in eine offenere Feld- und Wiesenlandschaft gekommen, die bei den lichten Obstwiesen bei Vitzeroda sogar richtig idyllisch aussah. Allerdings war es als ehemaliges DDR-Grenzgebiet bestimmt nicht idyllisch. Das merkte man auch unten an der Straße am Eschenbach: Die kleine Gehöftsiedelung Gasteroda innerhalb des ehemaligen Grenzgebietes wurde nach und nach durch Umsiedelung oder Flucht entvölkert. Von den ehemals 6 Gehöften gibt es heute nur noch eines, die anderen wurden abgerissen. An dieser Landstraße zwischen Gasteroda (Thüringen) und Heringen (Hessen) verläuft die Grenze zwischen Thüringen und Hessen über den Langenberg (327 m). Auf hessischer Seite ist in einem Tal im Langenberg der „Grillplatz Gemischter Chor Leimbach“ versteckt, der in Wanderapps zu finden ist. Diesen Platz mit Grill und überdachter Sitzgruppe nutzten wir zur Übernachtung.

Ostersonntag, 17.04.2022: Leimbach – Dankmarshausen – Kleinensee

Der Ostersonntag-Morgen im Langenberg-Waldtal war allerdings mächtig kalt und man musste ziemlich lange auf die Sonne warten. Bei strahlend blauem Himmel mit nur leichter Bewölkung wurde es aber später ein schöner Frühlingstag. Vom Langenberg hat man eine tolle Aussicht auf das Werratal von Heringen mit dem K+S-Werk Wintershall über die Salzhalde Monte Kali bis nach Dankmarshausen (wo wir heute hin wollten). Vom Langenberg sind wir auf hessischer Seite zur Dippacher Straße bei Leimbach abgestiegen und am Straßenrand etwa 1 km nach Norden zur Thüringisch-hessischen Grenze gegangen. Dort steht ein Schild, dass die DDR-Grenze hier am 25.11.1989 geöffnet wurde. Etwas abseits am Waldrand steht eine etwas wilde Denkmal-Pyramide aus Steinen, Streckmetall und Stacheldraht „Erinnerung an einen Irrtum“. Auf Initiative des Heringer Kunstvereins wurde es 1990 als erstes Denkmal an der ehemaligen DDR-Grenze von Anatol Herzog (Schüler und Freund von Joseph Beuys) mit Jugendlichen aufgebaut. Mit der Zeit soll es als „Schrott der Geschichte“ von der Natur überwuchert werden. Das funktioniert auch, macht aber eben auch den etwas verstörenden Eindruck einer kleinen wilden Mülldeponie. Ab hier wollten wir wieder auf dem Kolonnenweg weitergehen. Der Einstieg war aber gar nicht so leicht zu finden, denn auf den Wiesenflächen des Naturschutzgebietes Rohrlache bei Dankmarshausen war erst mal alles gleich nass und grün. Zwischen ausgebaggerten Kiesseen führt das Grüne Band auf dem Kolonnenweg bis zur Werra und mit dem Werratal-Radweg über die Werrabrücke nach Dankmarshausen rein. Auch Dankmarshausen entstand an der Werrafurt eines alten Handelsweges „durch den kurzen Hessen“ (von Frankfurt/Main nach Leipzig über Hersfeld, Berka/Werra, Eisenach, Erfurt). Der Ort wurde 1302 als Dangmerßhusen erstmals erwähnt, hat etwa 1000 Einwohner und gehört zur Gemeinde Werra-Suhl-Tal. Der hübsche historische Ortskern mit Fachwerkhäusern und der Kirche St. Kilian (von 1440) liegt auf einer Hochfläche über der Werra (vielleicht 30 m über dem Flussniveau 210 m). Für uns war das Gasthaus „Zum Adler“ die schönste Sehenswürdigkeit: offen, freie Hofplätze, kühles Bier und heißer Schweinebraten – was will man mehr? Von Dankmarshausen geht der Grenzweg zurück nach Westen (wegen der Thüringen-Blinddärme um Kleinensee). Erst gehts hinter dem Monte Kali hoch zur Hornungskuppe (444 m), auf hessischen Gebiet weiter zum Aussichtsturm Bodesruh, 1963 von Kleinensee an der Grenze als Mahnmal der deutschen Teilung errichtet: mit Blick nach Nordosten: Kleinensee (Hessen), Großensee (Thüringen), Bosserode, Wildeck und Gerstungen. Den folgenden Weg über Jagdhaus Bodesruh (eine Gaststätte) und Seulingswald wieder runter nach Osten, durch das Naturschutzgebiet Seulingssee/Säulingssee nach Kleinensee, ein hessischer Auswuchs nach Thüringen. In Kleinensee haben wir (Thüringer Wanderer) dank des unermüdlichen Einsatz‘ eines Kleinensee-Fußballfans einen Zeltplatz auf dem Sportplatz SV Kleinensee bekommen. Na ja, das Sportlerheim war nicht ganz so toll, aber die Wiese war top.

Ostermontag, 18.04.2022: Kleinensee – Bosseroder Rhäden – Gerstungen

Na klar: wieder eine arschkalte Nacht zum Ostermontag (es war immer etwas unter Null Grad), Eis-Gänseblümchen auf dem Sportplatz. Aber mit der aufsteigenden Sonne gehts. Frühstück im Sportlertheim Kleinensee: unser Restangebot ist so… la… la… nach 4 Rucksackfrühstücken. Auf dem Rück/Weiterweg durchs Naturschutzgebiet Seulingssee sieht man Wasserbüffel als Naturschützer. An der ehemaligen DDR-Grenze zu Großensee haben die Heimatvereine beider Orte ein kleine Grenz-Gedenkstätte eingerichtet: einge Relikte der Grenzanlagen blieben als Mahnmal stehen, eine Infotafel zeigt Zeugnisse der Zeitgeschichte. Der Thüringer Ort Großensee, der während der DDR-Zeit wirklich „am Arsch der Welt“ lag (also überall vom Grenzgebiet umschlossen außer einem 650 m breiten Korridor nach Dankmarshausen, natürlich auch Sperrzone), hat durch die „Abgeschiedenheit“ aber noch einige historische Fachwerkwerk-Höfe vorzuweisen, eine etwa 150-200 Jahre alte eindrucksvolle Tanzlinde und eine hübsche Kirche aus dem 14. Jahrhundert. Von Großensee führt das Grüne Band weiter nach Norden zum Grenzweg bei Raßdorf/Wildeck (Hessen) an der Bahnstrecke zwischen (Wildeck-)Bosserode und Hönebach. Der Grenzweg geht dann nach Osten, quert die Bahnlinie bei der Bruchmühle (Gedenkstein innerdeutsche Grenze), bildet einen Grünstreifen an Feldrändern. Südlich von Bosserode heißt der Kolonnenweg dann Rhädenrundweg (das haben sich die Touristiker so ausgedacht). Wir sind dann aber nach Nordwesten in den Rhäden bei Obersuhl und Bosserode abgebogen, ein Vogel- und Naturschutzgebiet auf hessischer Seite (ergänzt durch den Dankmarshäuser Rhäden in Thüringen). Diese moorastigen Wiesen wurde ursprünglich trockengelegt, um sie als landwirtschaftliche Fläche zu nutzen. Durch die Lage im Grenzgebiet war das nicht mehr möglich und die Fläche vernässte wieder. Durch die weitere Renaturierung wurde ein relativ großräumiges Feuchtbiotop-Schutzgebiet geschaffen. Für uns war natürlich interessant, dass das wasserspendende Flüsschen dieses Gebiets Suhl heißt, da fühlt man sich doch gleich heimisch.